Dortmund - Der sterbenskranke Patient liegt weiterhin auf der Intensivstation, macht aber erste Fortschritte. Die Gläubiger haben der von der Insolvenz bedrohten Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ein wenig Luft zum Atmen verschafft.
Nach einer dreistündigen Krisensitzung stimmten sie den Sanierungsplänen des börsennotierten Fußball-Unternehmens zu. Nur wenige Minuten, nachdem die Verhandlungsführer das Westfalenstadion im Dunkeln der Nacht verlassen hatten, verkündete der Verein in einer ad-hoc-Mitteilung den lebensnotwendigen Kompromiss.
Bis zum Geschäftsjahr 2006/07 wird ein Zins- und Tilgungsmoratorium für Altkredite der Finanzgläubiger eingeräumt. Zudem stellen die wesentlichen Finanzgläubiger neue kurzfristige Liquidität zur Verfügung, hieß es in der Mitteilung. Damit hat die Borussia bei der der Lösung seiner Finanzkrise die erste Hürde gemeistert und wohl auch den Spielbetrieb zumindest bis zum Ende der laufenden Saison gesichert. Jochen Rölfs, Chef der vom BVB mandatierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Moderator des Gläubigertreffens, zog ein positives Fazit: Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Gespräche.
Unterdessen hat Willi Lemke eine sorgfältige Überprüfung der Lizenzunterlagen von Borussia Dortmund für die kommende Saison gefordert. Auch wenn es unbestritten ist, dass der BVB einen wichtigen Bestandteil der Bundesliga darstellt, darf es keine Lex Dortmund geben. Es wäre ein Schlag ins Gesicht für jeden Club, dem die Lizenz verweigert wurde, wenn Dortmund nur wegen des schönen Stadions, der WM oder des Medien-Drucks die Lizenz bekäme, sagte der Aufsichtsrats-Chef von Werder Bremen der Bild am Sonntag.
Selbst die letzten drei von insgesamt 67 Gläubigern (Sparkasse Köln-Bonn, HSH Nordbank und der Münsterländer Unternehmer Paul Sahle) konnten nach langen Diskussionen von dem Sanierungskonzept überzeugt werden. Zwar stehe die Einigung laut Mitteilung noch unter dem üblichen allseitigen Gremienvorbehalt, doch der soll bis etwa Mitte nächster Woche erfüllt werden.
Dennoch bleibt die Rettung ein Drahtseilakt. Schließlich hat der mit den Gläubigern erzielte Kompromiss nur dann Bestand, wenn die Gesellschafter des Molsiris-Fonds der vorgeschlagenen Restrukturierung für das Westfalenstadion zustimmen. Immerhin 75 Prozent der insgesamt 5 800 Fonds-Zeichner müssen überzeugt werden, damit die Borussia Teile der Arena im Tausch gegen ein verpfändetes Bardepot in Höhe von knapp über 50 Millionen Euro zurückkaufen kann. Die Borussia hatte das Westfalenstadion vor rund zwei Jahren an den Fonds verkauft und dann für 15 Millionen Euro jährlich zurückgeleast. Die Fonds-Mutter CommerzbankLeasing Immobilien AG informierte die Anteilseigner bereits schriftlich darüber, dass kurzfristig eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen werden soll.
Die frohe Kunde der Borussia im Anschluss an die Krisensitzung sorgte auch bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) für Erleichterung. Denn das Entgegenkommen der Gläubiger dürfte verhindern, dass die klamme Borussia auf den DFL-Solidaritätsfonds zurückgreifen muss. Eine solche Maßnahme wäre mit dem Abzug von Punkten verknüpft gewesen und hätte die Kritik an der DFL wegen ihrer angeblich zu laschen Prüfung der Dortmunder Lizenzunterlagen zu Beginn der laufenden Saison noch verschärft. Meldungen, nach denen sich DFL-Geschäftsführer Christian Müller damals gegen eine Lizenzvergabe ausgesprochen haben soll, wollte DFL-Sprecher Tom Bender auf dpa- Anfrage nicht kommentieren: Ich will das weder bestätigen noch dementieren. Wir sind in Lizenzierungsangelegenheiten grundsätzlich zu Stillschweigen verpflichtet.
Heribert Bruchhagen, Vorstandschef beim Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt, hatte in der Bild bereits mit Konsequenzen gedroht: Sollte sich herausstellen, dass die Grundlagen unwahrheitsgemäß waren, werden wir unsere Interessen als Geschädigter wahrnehmen.
Die Kritik an der DFL hält BVB-Präsident Reinhard Rauball für überzogen. All diejenigen, die behaupten, wir hätten gegen Lizenzunterlagen verstoßen, sollen das konkret belegen. Erst dann können wir uns zu diesen Vorwürfen äußern. Wir wollen keine Lex Dortmund. Wir wollen auch keine Hilfe von außen, von anderen Vereinen. Wir wollen uns selbst helfen, sagte der Jurist dem DSF.
Nicht nur aus dem Kreis der Gläubiger gab es für den BVB positive Signale. Nach Einschätzung des Dortmunder Oberbürgermeisters Gerhard Langemeyer sind die Spiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Westfalenstadion nicht in Gefahr. Ich habe keine Zweifel, dass es gelingt, die notwendige Finanzierung zusammen zu bekommen, sagte er der Westfälischen Rundschau. Eine direkte Zuwendung der Stadt zur Finanzierung der notwendigen Modernisierungsmaßnahmen sei jedoch nicht vorgesehen. Dem Vernehmen nach wird über eine Stundung von Steuerzahlungen der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA nachgedacht. Für die vom Fußball-Weltverband FIFA vorgeschriebenen Umbauarbeiten werden knapp fünf Millionen Euro fällig. Die von der Insolvenz bedrohte Borussia sieht sich derzeit nicht in der Lage, diese Summe aufzubringen.
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