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Rostocks Rettung rückt in weite Ferne | 2005-04-24


Hamburg - Im Abstiegsstrudel ist das rettende Ufer für Hansa Rostock fast nicht mehr zu erreichen. Es sieht fast so aus, als ob die Titanic leichter zu retten war als die Kogge, sagte Hansa-Trainer Jörg Berger.

Nach dem 0:3 beim Hamburger SV stehen die Rostocker vor ihrem zweiten Abstieg und die Fußball-Bundesliga erstmals seit der Vereinigung vor einer Saison ohne Ost-Vertreter. Ausgerechnet der HSV um Coach Trainer Thomas Doll, der wegen sieben gemeinsamer Jahre immer noch an Rostock hängt, ließ das Hansa-Schiff ein bisschen weiter sinken. Hansa braucht keine Äußerungen von mir nach dem Spiel und Mitleid sowieso nicht, hielt sich Doll nach dem Erfolg gegen seine alte Liebe zurück. Mit seiner eigenen Mannschaft befindet er sich unverändert an der Grenze zu einem UEFA-Cup-Platz.

Mit hängenden Köpfen und traurigen Gesichtern schlichen die Rostocker Profis aus den Katakomben der AOL-Arena. Zwar hatten sie vor 55 800 Zuschauern eine engagierte Leistung gezeigt, doch zeitweise auch Erstliga-Tauglichkeit vermissen lassen. Wir haben eine Viertelstunde katastrophal gespielt, sagte Torhüter Mathias Schober. Genau diese Phase nutzten die Hamburger, um durch Treffer von Emile Mpenza (49. Minute), Collin Benjamin (61.) und Naohiro Takahara (64.) zum verdienten Erfolg zu kommen. Da zeigt sich der Klassenunterschied, der HSV hat unsere Fehler gnadenlos bestraft, sagte Berger. Wir selbst stehen unten, weil wir solche Möglichkeiten nicht nutzen.

Der 60 Jahre alte Fußball-Lehrer hatte in den 90er Jahren den 1. FC Köln, Schalke 04 und Eintracht Frankfurt vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit bewahrt. Diesmal ist er angesichts des schweren Restprogramms gegen Hertha BSC und Borussia Dortmund sowie bei Bayer Leverkusen und Arminia Bielefeld fast ratlos. Fragen Sie mich nicht, ob es das war. Ich muss das erstmal verarbeiten, sagte Berger.

Gemeinsam mit einem Kreis von ehemaligen Spielern aus dem Osten wie Ulf Kirsten oder Matthias Sammer will sich Hamburgs Trainer Doll für die Belange der Ost-Vereine einsetzen, doch zunächst stand für ihn der Erfolg des eigenen Teams im Vordergrund. Wir haben nach dem 1:0 sehr kontrolliert und abgeklärt gespielt. Vielleicht ist das der Reifeprozess, den die Mannschaft durchgemacht hat, meinte Doll.

Ausgerechnet der viel gescholtene und schon zum Fehleinkauf abgestempelte Mpenza war maßgeblich am Erfolg beteiligt und bestätigte seinen geduldigen Trainer in dessen Einschätzung. Manchmal braucht ein Spieler eben länger, bis er explodiert, erkläre Doll. Für den Belgier selbst war es auch eine persönliche Genugtuung, nach seinem halben Tor beim 2:1 gegen Schalke 04 nun endlich richtig getroffen zu haben. Egal was auf Schalke passiert ist, das war heute zu hundert Prozent mein Tor, betonte der 26-Jährige.


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