München - Selbst Optimisten hatten Mehmet Scholl keinen dritten Fußball-Frühling mehr zugetraut. Doch in seinem 13. Dienstjahr beim FC Bayern München könnte ausgerechnet der 34-Jährige zur Trumpfkarte im Meisterkampf und sogar der Champions League werden.
Denn Trainer Felix Magath hat den feinen Techniker in dieser Saison aus dem Teufelskreis der Verletzungen herausgeführt und überraschend wieder fit bekommen. Im fortgeschrittenen Alter ist das einstige Teenie-Idol plötzlich wieder ein Hoffnungsträger - und Scholl genießt jede Minute auf dem Fußballplatz. Ich freue mich auf jedes Spiel, ob bei den Amateuren in der Regionalliga gegen Pfullendorf oder in der Bundesliga gegen Dortmund, berichtete er bei einem seiner äußerst selten gewordenen Gespräche mit den Journalisten. Besondere Ansprüche stellt er nicht mehr: Man kann auch in 15 Minuten viel fürs Spiel tun.
Von seiner positiven Entwicklung ist er selbst überrascht, wie er vor dem Heimspiel gegen Arsenal London verriet: Mit der Champions League hatte ich nicht mehr gerechnet. Aus gutem Grund: Denn wenn die Bayern in den vergangenen Jahren international auftraten, saß Scholl in der Regel als Zuschauer auf der Tribüne oder vor dem Fernseher, weil die Muskeln oder der Rücken schmerzten.
Erstmals seit dem 29. Oktober 2002, als die Bayern mit einer 1:2- Niederlage bei Deportivo La Coruna ihren Vorrunden-K.o. perfekt machten, sollte Scholl im Achtelfinal-Hinspiel gegen Arsenal wieder bei einem Europapokalspiel in der Anfangsformation stehen. In der Champions League gehts ruppiger und schneller zu, da muss ich mich erst wieder dran gewöhnen, äußerte er einen Schuss Skepsis.
Die Zweifel, dass Scholl noch einmal mit den Besten mithalten kann, hat die Vereinsführung nicht. Während Zé Roberto und Robert Kovac seit Wochen auf eine Verlängerung ihrer auslaufenden Verträge warten müssen und langjährige Wegbegleiter wie Thomas Linke, Samuel Kuffour und Alexander Zickler vor einem Abschied im Sommer stehen, wurde Scholls Arbeitspapier bereits bis zum 30. Juni 2006 ausgedehnt.
Ausschlaggebend war, dass sich bei mir alles stabilisiert hat, begründete Scholl die weitere Fortsetzung der Profi-Karriere: Ich gehe immer noch gerne ins Training und ich spiele unheimlich gerne für den FC Bayern. Man habe keine fünf Minuten für eine Einigung benötigt, berichtete Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge. Beim 5:0 gegen Dortmund bewies Scholl als brillanter Regisseur einmal mehr, wie richtig die Entscheidung gewesen ist. Wir haben ja nicht ganz umsonst den Vertrag mit ihm verlängert. Wir wissen schon, was Mehmet wert ist, kommentierte Rummenigge.
Von Scholls Ideen profitiert insbesondere Roy Makaay. Zwei der drei Tore des Niederländers gegen den BVB bereitete Scholl vor, das neue Bayern-Traumduo versteht sich beinahe blind. Makaay: Scholli weiß, wie ich spiele. Und darum ist seine Hoffnung beim FC Bayern insgesamt wieder Programm beim Streben nach drei Titeln: Hoffentlich bleibt Mehmet fit, dann können wir noch viel genießen.
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