München - Alles jubelte - nur Felix Magath war ziemlich stinkig und ließ gleich nach Spielende in der Umkleidekabine Dampf ab. Ich war da der Unzufriedenste, verriet der Trainer des FC Bayern München.
Das Last-Minute-Gegentor beim 3:1 (1:0)-Sieg gegen Arsenal London hatte ihm die gute Laune und außerdem wunderbare Voraussetzungen auch im Bundesliga-Titelkampf verdorben. Denn der Treffer von Kolo Touré (88.) hat aus einer entspannten Kaffeefahrt nach London völlig unnötig eine Champions-League-Reise mit ungewissem Ausgang gemacht. Wir hatten Arsenal am Boden, aber das Tor bedeutet, dass wir 90 Minuten kämpfen müssen. Ich bräuchte das nicht. Das 3:1 bedeutet keine Sicherheit, schimpfte Magath.
Die Allgemeinheit erfreute sich dagegen wie die 59 000 Zuschauer im Olympiastadion an einer immer noch komfortablen Ausgangsposition für das Achtelfinal-Rückspiel. Das war ein Superspiel, ein Erlebnis, jubelte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Wir brauchen jetzt keine Angst zu haben, meinte Manager Uli Hoeneß. Und Torsten Frings, der die Chance zum 4:0 vergab, beschwichtigte: Ein Gegentor in letzter Minute ist immer bitter. Aber so leicht ist es auch nicht, im Rückspiel zwei Tore gegen uns zu erzielen.
Sogar Oliver Kahn, der von Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum Halbzeit-Gewinner im Torhüter-Duell mit Jens Lehmann erklärt wurde (Heute hatte Olli die Nase vorn), gewann dem Gegentor, das nach einer fast absurden Fehlerkette gefallen sei, etwas Positives ab. Es ist ärgerlich, aber von der Psychologie her vielleicht gar nicht so schlecht. Sonst hätten wir vielleicht für die nächsten Spiele Höhenflüge bekommen, sagte der Bayern-Kapitän.
Sein Rivale Lehmann musste sich gleich über drei sehr leichte Gegentore ärgern, wobei ihm sein Trainer Arsene Wenger am dritten eine Mitschuld gab, weil er die Flanke von Frings zur Ecke hätte lenken können. Der späte Treffer von Touré eröffnet Arsenal und Lehmann aber noch eine Chance auf das Viertelfinale: Das 1:3 bedeutet noch nicht das Aus, sagte Lehmann, und ausgerechnet Kahn stimmte zu: In London erwartet uns 90 Minuten eine Art von Hölle.
Die hätten sich die Bayern nach dem Doppelpack des immer wertvolleren Claudio Pizarro (4./58.) sowie dem 3:0 von Hasan Salihamidzic (65.) ersparen können. Magaths Verärgerung war trotz des Sieges gegen den englischen Meister, dem Wenger die schlechteste Vorstellung in sieben Jahren Champions League attestierte, nachzuvollziehen. Denn Kleinigkeiten wie die vergebene Torchance von Frings (Ich habe den Torwart verladen, aber den Ball nicht richtig getroffen) oder der Querschläger von Willy Sagnol beim Gegentor entscheiden darüber, ob eine Mannschaft zum Champion taugt. Italienische Mannschaften können so ein Ergebnis über die Runden bringen. Das müssen wir noch lernen, meinte Magath.
Das Gegentor könnte auch Einfluss auf den Meisterkampf haben. Denn das Rückspiel in London am 9. März ist eingebettet in die beiden Bundesliga-Spitzenspiele gegen Werder Bremen (5. März) und beim FC Schalke 04 (13. März). Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, klagte Magath angesichts der drei Hammerspiele innerhalb von neun Tagen. Für Kahn ist das kein entscheidendes Problem: Die Mannschaft ist körperlich topfit, und wir haben momentan einen sehr guten Geist in der Mannschaft. Um Titel zu holen, bedarf es drei, vier Monate optimale Konzentration.
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