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Mayer-Vorfelder fast ohne Macht | 2005-02-23


Frankfurt/Main - Nach der Gelben Karte hat der einst allmächtige Gerhard Mayer-Vorfelder im deutschen Fußball kaum noch etwas zu sagen. Die deutlich größere Verantwortung liegt seit der Dringlichkeitssitzung des DFB-Präsidiums bei seinem geschäftsführenden Amtskollegen Theo Zwanziger.

Dem früheren Big Boss bleiben in den letzten anderthalb Jahren seiner Amtszeit in der umstrittenen Doppelspitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vor allem repräsentative Aufgaben. Mayer-Vorfelder, der am 28. April 2001 das DFB-Präsidentenamt von Egidius Braun übernommen hatte, bleibt für die A-Nationalmannschaft und den Bundestrainer verantwortlich. Damit wird MV auch die zweite Verhandlungsrunde wegen der WM-Prämien Ende März führen. Alle über 2006 hinausgehenden Entscheidungen, die die Elite-Auswahl sowie deren Trainer betreffen, fallen in meinen Bereich, stellte Zwanziger klar.

Der ehemalige Schatzmeister aus Altendiez, der seit Oktober das Duo mit Mayer-Vorfelder bildet, war es, der nach der sechsstündigen Marathonsitzung in der DFB-Zentrale als Erster vor die Presse trat. MV saß da noch im Sitzungssaal. Doch sein Posten als Aufsichtsrats-Vorsitzender des WM-OK bleibt trotz der Turbulenzen unberührt. Bis 2008 bin ich noch in die UEFA-Exekutive gewählt, umriss der Ex-Politiker seine Verpflichtungen. Danach ist die Gelegenheit, sich zurückzuziehen, meinte er. Zudem ist der 71-Jährige auch im Exekutiv-Komitee des Weltverbandes FIFA vertreten.

In beiden Gremien genießt Mayer-Vorfelder einen guten Ruf, seine internationalen Kontakte sind für den DFB von großer Bedeutung. Eine mögliche Demission, mit der Spiegel online spekuliert hatte, wäre rund ein Jahr vor der WM fatal. Der internationale Bereich geht gar nicht ohne ihn, betonte Zwanziger. Nicht mehr zuständig ist Mayer-Vorfelder nach der klaren Aufgabentrennung für sein Steckenpferd Talentförderung. Dieses hatte er zwei Jahre nach dem desaströsen EM-Aus ins Leben gerufen und vorangetrieben.

Ungeachtet des Burgfriedens muss Mayer-Vorfelder mit einem Aufstand der Amateurvertreter bei einem geplanten außerordentlichen Bundestag Ende April rechnen. Dort sollen die Delegierten zwar über die Aufarbeitung des Wettskandals aufgeklärt werden - das Thema Doppelspitze soll nicht auf der Tagesordnung stehen - doch ein entsprechender Antrag eines Landesverbandes ist nicht auszuschließen.

Um Mayer-Vorfelder tatsächlich abzuwählen, bedürfte es einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Der DFB-Präsident kann sich aber der Unterstützung durch die Bundesliga-Vereine sicher sein. Die Liga betrachte Mayer-Vorfelder als Mann aus ihrer Mitte, sagte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser der Frankfurter Rundschau. Mayer-Vorfelders Ende an der Spitze kommt beim Bundestag 2006, der laut Zwanziger spätestens am 30. September einberufen wird: Dort wird der neue Präsident gewählt.

Selbst bei Franz Beckenbauer, der zuletzt die Doppelspitze (Die funktioniert nicht) harsch kritisiert hatte, herrschte nach der Sitzung die Einsicht in die Notwendigkeit. Man ist mit der Erkenntnis auseinander gegangen, dass man sich zur Doppelspitze bekennt. Es kommt ja immer darauf an, wie sich die handelnden Personen verhalten. Natürlich weiß man, dass es keine ideale Konstellation ist. Der Bundestag hat sich im letzten Oktober für die Doppelspitze entschieden, also werden wir damit auskommen, sagte der Chef des WM-OK dem Fernsehsender Premiere. Sowohl Zwanziger als auch Mayer-Vorfelder hätten sich dazu bekannt, es zu versuchen.

Fehler räumte Zwanziger in der internen Kommunikation im Zuge des Manipulationsskandals ein, der am 22. Januar öffentlich geworden war und in dessen Verlauf Mayer-Vorfelder durch sein zögerliches Verhalten großen Unmut auf sich geladen hatte. Auch eine andere Führungsebene hätte mit diesem Kriminalfall ihre Problem gehabt. Was wir schlecht gemacht haben, war ein Sprachengewirr. Das hat unsere eigentlich gute Arbeit belastet, meinte Zwanziger.


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