Stuttgart - Riesenenttäuschung und Ratlosigkeit: Nach der UEFA-Pokal-Pleite gegen den FC Parma herrschte beim VfB Stuttgart Katzenjammer. Das ist ein Tiefschlag für den ganzen Verein, sagte Verteidiger Martin Stranzl.
Durch das klägliche Ausscheiden mit 0:2 gegen den Abstiegskandidaten der italienischen Serie A brachte sich der selbst ernannte Champions-League-Kandidat nicht nur um weitere Einnahmen in Millionenhöhe, sondern stellte auch sein spielerisches Potenzial und die sportlichen Perspektiven in Frage. Matthias Sammer hofft nach dem Rückschlag auf sofortige Rehabilitation in der Fußball-Bundesliga. Wir haben gegen Bayer Leverkusen eine unglaubliche Chance, uns zu beweisen, sagte der Trainer. Vom VfB wird jetzt eh nicht viel erwartet.
Angesichts der teilweise erschreckend schwachen Leistungen seit der Winterpause mit einer nur durch den glücklichen Sieg gegen Hertha BSC unterbrochenen Negativserie geben die Schwaben auch keinen Anlass zu hohen Erwartungen. Die Ursachen für den Einbruch des einstigen Titelkandidaten sind selbst Sammer schleierhaft. Wenn es eine Erklärung geben würde, die ich aus dem Ärmel ziehen könnte, würde das nicht passieren, sagte er ebenso ratlos wie frustriert. Kapitän Zvonimir Soldo, der sich nach dem Debakel als einer der wenigen Leistungsträger den Medien stellte, sprach von psychologischen und qualitativen Problemen: Da kommt alles zusammen.
Erwin Staudt, der sich ein anderes Geschenk zu seinem 57. Geburtstag gewünscht hätte, kündigte Konsequenzen an: Wir müssen bei den Planungen schauen, dass die Einnahmeverluste kompensiert werden, sagte der VfB-Präsident angesichts der entgangenen 1,2 Millionen Euro wegen des verpassten Einzugs ins Achtelfinale, Als Krisenmanager bemühte er sich in Gesprächen mit Trainerstab, Management und Finanzverwaltung um Schadensbegrenzung.
Sammer will nun ebenfalls intensive Gespräche führen und die Leistungsträger verstärkt in die Verantwortung nehmen, um seinen völlig verunsichert wirkenden Schützlingen für die richtungweisende Partie beim Tabellennachbarn neues Selbstbewusstsein einzutrichtern. Wir müssen den Blick volles Rohr nach vorn richten und positiv denken, sagte er. Stranzl forderte eine Trotzreaktion in Leverkusen: Jetzt heißt es: erst recht. Wir müssen alle Kräfte mobilisieren. Oder sollen wir etwa aufhören und sagen, wir sind zu schlecht?
Auf jeden Fall war der VfB nicht gut genug, um gegen die 40 Minuten lang in Unterzahl spielenden Italiener nach dem 0:0 im Hinspiel ein fürs Weiterkommen reichendes 1:0 zu erzwingen. Im Gegenteil: Nach dem Platzverweis für Paolo Cannavara (81.) drehten die geschickt verteidigenden Gäste auf und kamen durch Marco Marchionni (98.) und Andrea Pisanu (116.) gegen die völlig konsternierten Stuttgarter zu zwei Treffern. Wir haben verdient gewonnen. Meine Mannschaft hat mit Leidenschaft und Herz gespielt, meinte Trainer Pietro Carmignani.
Für den VfB besonders niederschmetternd ist die Tatsache, dass er bereits zum dritten Mal in dieser Saison im eigenen Stadion ein Spiel in Überzahl noch abgegeben musste: Gegen Werder Bremen (1:2) und den 1. FC Kaiserslautern (1:1) hatte er sogar geführt. Gegen zehn Mann muss man sich durchsetzen, kritisierte Andreas Hinkel das erneute Versagen als unentschuldbar. Soldo hatte keine Erklärung dafür. Sammer schimpfte: Das darf uns nicht passieren. Wir haben genug erfahrene Spieler und hatten nach dem 0:1 noch 22 Minuten Zeit, die Partie zu drehen. Aber das ist auch eine Frage des Glaubens an die eigene Stärke und des Selbstbewusstseins. Laut Stranzl steckt in der Mannschaft genug Leben, um diese Krise zu meistern.
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