London - Bitte nennt mich nicht arrogant, aber ich bin der europäische Meister und glaube, ich bin was Besonderes. Sprüche wie diese hat José Mourinho, Trainer des englischen Tabellenführers FC Chelsea, dutzendweise parat.
Und er knallt sie den britischen Journalisten tagtäglich um die Ohren. In nur acht Monaten schaffte es der 41-jährige Portugiese, zum interessantesten und zugleich meistgehassten Mann im englischen Fußball aufzusteigen.
Seit seiner Attacke gegen die berüchtigte Boulevardpresse (Haltet die Klappe!) füllt er den Blätterwald auf der Insel seitenweise. Mourinho spaltet nicht nur die Journalisten, sondern eine ganze Nation. Mourinho in seiner selbstverliebten Arroganz ist der Brennpunkt unserer engstirnigen Eifersucht, verteidigte der Daily Telegraph den Erfolgscoach. Dies ist ein Mann, dessen Ego völlig außer Kontrolle gerät, ächzte hingegen das auflagenstärkste Blatt The Sun.
Es ärgert die gestandenen Reporter aus dem Mutterland des Fußballs, dass ein junger Kerl aus dem portugiesischen Dörfchen Setúbal sie wie kleine Schuljungen behandelt, wenn er über Fußball doziert. Einer, der mit Anfang 20 seine Fußballschuhe an den Nagel hing, weil er erkannte, dass er als Spieler nicht gut genug für eine Profikarriere war. Der dann aber als Coach des FC Porto sämtliche bedeutende Vereinstitel gewann, die zu vergeben sind: Champions League, UEFA Cup, nationale Meisterschaft und Pokalsieg.
Was er von sich hält, hatte der George-Clooney-Typ bereits an seinem ersten Arbeitstag an der Stamford Bridge klar gemacht: Chelsea hat eine Topmannschaft, und entschuldigen Sie, wenn das arrogant klingt: Chelsea hat jetzt vor allem einen Toptrainer. Kurz darauf legte er nach: Erst kommt Gott, doch danach komme ich. Mit dem Gewinn des Ligapokals hat Mourinho es seinen Kritikern gezeigt. Ich weiß, ihr müsst frustriert sein, weil ihr jetzt nichts Negatives über mich schreiben könnt, sagte er den Journalisten ins Gesicht: Ihr wollt mich unter Druck setzen, aber das könnt ihr nicht.
Im portugiesischen Fernsehen verriet er, was er von den Engländern hält: Für die ist ihr Land Erste Welt und Portugal Dritte Welt. Die Wahrheit ist, dass Sir Alex Ferguson der einzige europäische Meister in diesem Land ist, niemand sonst - also was bitteschön muss ich in England beweisen?
Seine Spieler lieben ihn, schauen bewundernd zu ihm auf, weil Mourinho Selbstbewusstsein ausstrahlt und ihnen welches einflößt. Die eigenen Fans vergöttern ihn, weil er Chelsea aller Voraussicht nach den ersten Meistertitel seit 50 Jahren beschert. Und selbst der Mirror, der ihn vergangene Woche noch für paranoid oder einen schlechten Verlierer hielt, meint mittlerweile: Dieser Typ ist allerbeste Unterhaltung. Lasst uns hoffen, dass dies erst der Anfang war und das eigentliche Feuerwerk noch bevorsteht.
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