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Schwere Zeiten für Ronaldo in Madrid | 2005-03-03


Madrid - Nach dem Abpfiff hatte Ronaldo nur einen Wunsch: Nichts wie weg! Seine Mannschaft Real Madrid hatte das Punktspiel gegen Betis Sevilla 3:1 gewonnen, aber der brasilianische Fußballstar dürfte der traurigste Mensch im Bernabéu-Stadion gewesen sein.

Im Sturmschritt eilte er unter die Dusche und, ohne ein Wort zu sagen, so rasch wie möglich aus der Arena hinaus. Für Ronaldo war dies die bitterste Nacht seit seinem Wechsel nach Madrid vor knapp drei Jahren. Dem Torjäger war an diesem Abend nichts gelungen. Er mühte sich redlich, aber mit jedem Scheitern nahmen die Pfeifkonzerte des Publikums zu.

Am Ende hatte Ronaldo alle 50 000 Zuschauer gegen sich. Die eigenen Fans, die ihn vor kurzem noch als besten Stürmer der Welt gefeiert hatten, pfiffen den Star ohne Erbarmen aus. Nur ein einziges Mal erhielt er Beifall. Das war in der 83. Minute, als Ronaldo mit einem Spurt den Ball vor Überschreiten der Auslinie abfing. Und dieser Beifall klang fast schon ironisch.

Dabei machte Ronaldo kein schlechtes Spiel. Der als lauffaul geltende Brasilianer rackerte mehr als je zuvor im Real-Trikot. Mit einem Schuss scheiterte er am Pfosten, ein Tor bereitete er vor, aber all dies zählte nicht. Das Publikum strafte ihn für alle die Eskapaden der vergangenen Wochen: für Ronaldos mysteriöse Blitzreise nach Brasilien, für das eigenartige Hochzeitsfest, das im Grunde keines war, und für sein Zuspätkommen zum Training.

Bisher hatte das Publikum Ronaldo dessen mangelnden Trainingseifer und den Hang zum guten Leben verziehen, weil der Brasilianer Tore wie am Fließband produzierte. Schon mit seinem Frohsinn und der optimistischen Lebenshaltung hatte er immer wieder für gute Stimmung in der Mannschaft gesorgt.

Aber nun hat Ronaldo sein berühmtes Lächeln verloren. Seit 50 Tagen schoss er kein Tor mehr, da lassen die Fans ihm nichts mehr durchgehen. Nun ist er es, der von den Mitspielern aufgemuntert werden muss. Wer heute pfeift, wird schon morgen wieder klatschen, meinte Trainer Vanderlei Luxemburgo. Unter seinem Landsmann muss Ronaldo härter trainieren als je zuvor, aber paradoxerweise schießt er weniger Tore.

Eine gute Nachricht gab es für ihn aber doch: In Brasilien stellte die Polizei das Trikot sicher, das Ronaldo 2002 beim Gewinn der Weltmeisterschaft getragen hatte und das vor einem Monat aus dem Haus seines Vaters gestohlen worden war.


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