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Fabian Ernst auch im Nationalteam etabliert | 2005-03-08


Lyon - Die bisher spektakulärste Szene seiner Karriere lieferte Fabian Ernst unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bei der Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde geriet der Fußball- Nationalspieler am 13. Januar im türkischen Trainingslager Belek mit seinem Kollegen Johan Micoud aneinander.

Er zog sich bei dem Kopfstoß des Franzosen eine blutende Wunde zu und musste am Kopf genäht werden. Der Vorfall ist aber völlig untypisch für den Bremer Profi. Fabian Ernst ist vielmehr genau das Gegenteil von spektakulär. Er wirkt auf dem Platz und auch außerhalb als eher sachlicher, schnörkelloser und besonnener Profi.

Zum besten Bundesliga-Spieler des Monats ist der 25-Jährige jetzt gekürt worden. Das ist natürlich angenehm, sagte Ernst vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch bei Olympique Lyon. Denn gerade auf seiner Position im Mittelfeld mit vielen defensiven Aufgaben könne man nicht so leicht glänzen. Andererseits findet er es wichtiger, sich immer selber zu überprüfen.

Ernst gehört schon länger zu den Leistungsträgern des Double- Gewinners, doch in dieser Saison ist er der konstanteste aller Werder-Profis. Auch in der Nationalmannschaft hat er sich inzwischen durchgesetzt. Eine große Rolle hat dabei der neue Bundestrainer Jürrgen Klinsmann gespielt. Vorher hatte ich immer nur Kurzeinsätze, bei denen ich nicht zeigen konnte, was ich mir vorgestellt habe. Wenn dir dann aber jemand das Gefühl gibt, dass du dazugehörst und gebraucht wirst, bestärkt einen das auch im Spiel - und dieses Gefühl vermittelt Klinsmann. Unter ihm habe ich erst richtig angefangen, in der Nationalelf zu spielen.

Als eines der größten deutschen Fußball-Talente galt der gebürtige Hannoveraner schon früh. Bereits als 17-jähriger Libero des 96-Teams agierte er in der Regionalliga so abgeklärt und souverän, dass er vom Hamburger SV für die Bundesliga verpflichtet und wegen seiner Spielweise sogar mit Franz Beckenbauer verglichen wurde.

Beim HSV konnte er sich noch nicht durchsetzen, doch rückblickend meint er: Man kann mit 18 oder 19 nicht erwarten, dass man immer Stammspieler ist. Die Zeit in Hamburg war trotzdem wichtig. Seinen Durchbruch schaffte Ernst nach seinem Wechsel zu Werder unter Thomas Schaaf, von dem er auf eine neue Position gesetzt wurde und bei dem er ähnliche Erfahrungen wie jetzt bei Klinsmann machte: In Bremen habe ich die Unterstützung bekommen, um ein kompletter Spieler zu werden.

Trotzdem hat er sich im Dezember gegen Werder und für einen Wechsel zu Schalke 04 entschieden. Es wurde Zeit, etwas anderes zu sehen, begründet Ernst seine Entscheidung. Er ist aber ehrlich genug, um auch festzustellen: Dass ich natürlich finanziell ein gutes Angebot habe, ist klar. Als Nationalspieler, der ablösefrei ist, will man sich natürlich nicht verschlechtern.

Dass seine Entscheidung gegen Werder mit der Besetzung der Chefrolle durch Johan Micoud zusammen hängt, bestreitet Ernst. Das ist doch gar nicht mein Anspruch, versichert er: Chef ist immer der, der den Ball hat.


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