Düsseldorf - Die Fußball-Bundesliga nimmt langsam Abschied vom SC Freiburg, der 2003/2004 noch überragende VfL Bochum ist wohl auch kaum noch zu retten, dagegen schöpft Hansa Rostock neuen Mut.
Obwohl bis zum Finale am 21. Mai noch 27 Punkte zu vergeben sind, wird die Zweitklassigkeit an Dreisam und Ruhr immer konkreter. Zu groß scheint der Abstand auf den rettenden Platz 15, in Freiburg und Bochum glauben sie kaum noch an sich selbst, der nach dem Schlusspfiff den Tränen nahe Freiburger Samuel Koejoe und die Kommentare der Trainer sprechen für sich.
Ich gehe durch diese Nummer, keine Frage, legte sich Freiburgs Dauer-Coach Volker Finke nach dem 2:3 gegen den 1. FC Nürnberg selbst die Bürde auf, bis zum höchst wahrscheinlichen bitteren Ende durchhalten zu wollen. Und Bochums früherer Eintänzer Peter Neururer widersprach selbst dann nicht, als der Auftritt seiner Elf beim 1:3 in Rostock mit den Attributen wehrlos, hilflos und katastrophal versehen wurde.
Die Indizien, dass Finke bis zum Saisonende in Freiburg weiter das Sagen hat und Neururer vorerst bleiben darf, sind relativ stark. In Freiburg würde momentan ein Vakuum entstehen, das kaum ein Anderer füllen könnte. Und in Bochum hält Vorstandsmitglied Dieter Meinhold schützend die Hand über Neururer: Wir werden mit ihm weiter kämpfen und versuchen, das kleine Wunder möglich zu machen.
In Freiburg war das Erwachen bitter, als Club-Torjäger Marek Mintal mit seinen Saisontreffern 20 und 21 aus dem 1:2 binnen sechs Schlussminuten noch das 3:2 für die Franken und die Bilanz der Freiburger zum fußballerischen Katastrophenbericht machte: In 16 Spielen gelang dem SC nur ein Sieg. Nicht minder fatal ist die Bochumer Ausbeute: Das 1:3 an der Ostsee war für den UEFA-Cup- Teilnehmer die neunte Auswärtsniederlage hintereinander.
Rostock dagegen beendete eine tiefschwarze Serie: 294 Tage nach dem 3:1 am 22. Mai 2004 gegen Meister Werder Bremen gewann der einzige ostdeutsche Erstligist wieder ein Heimspiel. Die Spieler haben wieder Selbstvertrauen, wir haben einen positiven Trend, hielt Feuerwehrmann Jörg Berger nach seinem 100. Sieg als Bundesliga-Trainer die Momentaufnahme fest.
Andernorts sind die Fußball-Lehrer dünnhäutiger. Ewald Lienen, Coach von Hannover 96 als dem schwächsten Rückrunden-Team, verfiel nach dem 0:1 beim VfL Wolfsburg in schlechte alte Manieren: Hau ab, raunzte er beim Abgang in die Kabine einen Fernseh-Mitarbeiter an. Seit Lienens Vertrag im Januar verlängert wurde, rutscht Hannover immer tiefer in die Krise. Wolfsburg fand nach dem zweiten Sieg im Jahr 2005 wieder Anschluss an die UEFA-Cup-Aspiranten Bayer Leverkusen und Hertha BSC, die sich 3:3 trennten und einen sarkastischen Klaus Augenthaler hinterließen: So doof kann man doch nicht sein, schimpfte der Bayer-Coach, dessen Team ein 2:0 (13. Minute) selbst gegen 78 Minuten zu Zehnt spielende Berliner noch aus der Hand gab.
Dem wie Leverkusen Champions-League-geschädigten Meister Bremen gelang nach dem 0:1 in München und dem 2:7-Debakel in Lyon beim 0:0 gegen den FSV Mainz 05 wenigstens ein Teilerfolg. An FSV-Schlussmann Dimo Wache (Wir haben bewiesen, dass wir zu Recht in diese Liga gehören) bissen sich die Bremer Angreifer die Zähne aus und haben jetzt den Hamburger SV im Nacken. Mit dem 4:3 bei Arminia Bielefeld kommt Jung-Trainer Thomas Doll auf eine glänzende Bilanz: Seit seinem Amtsantritt am 18. Oktober 2004 haben die HSV-Profis 37 von 51 möglichen Punkten geholt. Im Gegensatz dazu liest sich der Auswärts- Profit von Borussia Mönchengladbach ganz schlecht. Nach dem 0:1 beim aufstrebenden 1. FC Kaiserslautern sind die Borussen in dieser Saison als einziges Team in fremden Stadien ohne Sieg, letztmals gelang ein solches Erlebnis am 10. April 2004 mit 2:1 bei Hansa Rostock.
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