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Jaras Jugendstil weckt Begehrlichkeiten | 2005-03-13


Kaiserslautern - Nach dem glanzlosen 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach haben die Pfälzer mit 36 Zählern schon neun Spieltage vor Saisonende exakt die gleiche Punktzahl, mit der sie im Vorjahr den Abstieg vermieden.

Der Blick nach unten ist Vergangenheit, der nach oben weckt nach quälend langen Entbehrungen neue Begehrlichkeiten am Betzenberg. Nach dem Wandel vom verzagten Kellerkind zu einem mit höheren Ansprüchen versehenen selbstbewussten Ensemble reifen beim 1. FC Kaiserslautern die Träume vom internationalen Geschäft.

Unser Hauptziel bleibt der UI-Cup, bremste FCK-Coach Kurt Jara indes weiter gehende Überlegungen in den Köpfen seiner Spieler. Die Mannschaft hat das Potenzial. Wenn sie konzentriert ist, kann sie was erreichen, bei besserer Chancenverwertung sogar noch den fünften Platz, denkt Ciriaco Sforza dagegen schon einen Schritt weiter. Seitdem der erfolgsverwöhnte und ehrgeizige Schweizer (Ich will immer gewinnen) nach langer Verletzungspause wieder Fuß gefasst hat, kehrten zuvor fehlende Stabilität und verschüttet gegangene Spielkultur zurück. Gegen Gladbach blieb letztere allerdings im Verborgenen. Jara: Das Wichtigste war unsere gute kämpferische und defensive Leistung.

Der 35-jährige Sforza ist der Leitwolf in der von Jaras neuem Jugendstil geprägten Mannschaft, die auf dem besten Weg ist, wieder zu einer festen Bundesliga-Größe zu werden. Der 22 Jahre alte Siegtorschütze Halil Altintop (45.+1), Ioannis Amanatidis (23), Marco Engelhardt (24) und der von Jara erstmals für die Startelf nominierte 19 Jahre alte Jurgen Gjasula versprechen gute Zukunftsperspektiven. Sie sind auch Jaras Faustpfand für seine eigene Vertragsverlängerung, die nach dem Höhenflug nur noch eine Formsache sein dürfte.

Weniger rosig sind die Aussichten bei den große Pläne hegenden Gladbachern, die ihr Auswärts-Trauma mit einer harmlosen Vorstellung verlängerten. Die Borussia bleibt das einzige Bundesliga-Team ohne Sieg auf fremden Plätzen. Uns war bekannt, dass in Kaiserslautern schwer zu spielen ist. Aber wir haben ein sehr schlechtes Spiel gemacht. Kaiserslautern hätte am Ende sogar 3:0 gewinnen können, räumte Gäste-Trainer Dick Advocaat Zähne knirschend ein. Die Uneinnehmbarkeit der Bastion Betzenberg, auf dem die Borussia nun seit 10 Jahren auf einen Sieg wartet, hatte Advocaat schon als Coach der Glasgow Rangers im Dezember 2000 beim 0:3 im UEFA-Cup zu spüren bekommen. Der Niederländer muss trotz 28 Punkten den Blick in die Niederungen der Tabelle richten. Advocaat: Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt.

Noch mehr frustriert war Oliver Neuville. Weniger darüber, dass die Pfälzer Fans unter den 39 906 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion den Borussen-Kapitän wegen dessen irregulären Handtors vom Hinspiel gnadenlos auspfiffen, sondern über die zaghafte Spielweise. Wir müssen mehr Mut zeigen, endlich wieder Fußball spielen und eine Serie starten, forderte Neuville. Ein frommer Wunsch, denn es wartet schon wieder ein Auswärtsspiel - bei Hannover 96.


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