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Rudi Kargus und die Künstler-Karriere | 2005-03-16


Hamburg - Als Fußballer war Sepp Maier sein großes Vorbild, mit 52 Jahren orientiert sich Rudi Kargus an van Gogh, Cezanne und Picasso. Der dreimalige Nationalspieler, der in 408 Spielen das Tor in der Bundesliga hütete, ist heute Maler.

Geweckt wurde die künstlerische Leidenschaft durch einen Maler, den Kargus im Urlaub auf Fuerteventura traf. Auf der Kunsthochschule Blankenese erlernte der einstige Elfmeter-Töter expressive Malerei und wagte den neuen Weg, der ihn noch weiter vom Fußball wegführte. Ich bin heilfroh, dass ich zur heutigen Zeit nicht mehr auf dem Platz stehe und das miterlebe. Alles ist sehr viel aggressiver geworden, die Berichterstattung und auch das Verhalten der Fans, sagte der gebürtige Wormser.

In seiner neuen Ausstellung mit dem Titel Der zweite Blick, die noch bis zum 31. März im Gastwerk in Hamburg-Altona zu sehen ist, präsentiert der Maler rund 20 Gemälde von alternden Gebäuden aus den Hamburger Stadtteilen Barmbek und Wilhelmsburg. Mit den Ölbildern dokumentiert Kargus indirekt auch seinen eigenen Lebensweg. Er will Gebäuden die ihr Leben eigentlich schon hinter sich haben, neues Leben einhauchen.

Bis zur Künstler-Karriere sah der Werdegang des früheren Torwarts beim Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, Karlsruher SC, Fortuna Düsseldorf und 1. FC Köln aber zunächst so aus wie der vieler Ex-Profis. Er absolvierte seine Trainerausbildung und kehrte dann als HSV-Jugendcoach zum Ausgangspunkt der Fußball-Karriere zurück.

Doch der von 18 Profijahren geschundene Körper war den Belastungen nicht mehr gewachsen. Nach Hüftoperationen musste Kargus, der in Hamburg auch drei Jahre als Coach des Amateurclubs USC Paloma arbeitete, Fußballstiefel und Torwarthandschuhe endgültig an den Nagel hängen. Nach 30 Jahren in denen ich nur Fußball im Kopf hatte, war die Umstellung auf das Leben danach schwierig.

Kargus, der nach eigener Aussage nie gern im Fokus der Öffentlichkeit gestanden hat, genießt nun das ruhigere Leben. Eine ungleich weniger auffällige Rückkehr ins Rampenlicht des Sports gab es für ihn als Künstler. Im Rahmen der Ausstellung Ballkunst. Ein Leben nach dem Sport präsentierte er sich im HSV-Museum. Anfangs habe ich gesagt, ich werde nie etwas zum Thema Fußball machen. Aber ich habe gemerkt, dass es eine tolle Sache war und ich mich damit voll identifiziere, meinte Kargus, der in seinem Sport auch unrühmliche Zeiten erlebte.

Beim 1. FC Nürnberg wurden er und fünf weitere Spieler fristlos entlassen, weil sie öffentlich den Rücktritt von Trainer Heinz Höher gefordert hatten. Im Nachhinein betrachtet, war das ein Fehler. Das ist von uns ein absoluter Regelbruch gewesen und führte dazu, dass sich die gesamte Öffentlichkeit gegen uns formierte, erzählte der damals als Rebell bezeichnete Kargus.


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