Duisburg - Das ganz große Kribbeln hat sich bei Rudi Bommer längst eingestellt. Ich habe zwar schon alles erlebt, die Fußball-Bundesliga übt aber dennoch immer wieder aufs Neue einen speziellen Reiz aus, sagt der Coach, der Duisburg zurück in die Eliteklasse geführt hat.
Obwohl sich Bommer nunmehr erstmals als Erstliga-Trainer bezeichnen lassen kann, ist es für den Ex-Profi eine Rückkehr in ein ihm bekanntes Terrain: Die Bundesliga war lange mein Spielzimmer, ich freue mich wie ein kleines Kind, wieder da zu sein.
417 Bundesligaspiele bestritt Bommer für Fortuna Düsseldorf, Bayer Uerdingen und Eintracht Frankfurt, ehe er über mehrere Amateurvereine ins Trainergeschäft wechselte. Zehn Jahre musste er warten, um in die 1. Liga zurückzukehren. Ich habe mich ganz alleine nach oben gearbeitet und musste nicht heimlich an den Stühlen meiner Trainerkollegen sägen, sagt der 49 Jahre alte Selfmade-Coach.
Die Erfahrung in München, als ihn der Zweitligist TSV 1860 nach drei erfolgreichen Jahren bei Wacker Burghausen 2004 abwarb, dann aber nach fünf Monaten wieder rausschmiss, hat ihn geprägt. Da wurde hinter meinem Rücken gewerkelt, sagt er. Beim MSV, mit dem er am 16. Juli im Trainingslager in Kaprun/Österreich die heiße Phase der Saison-Vorbereitung aufnimmt, habe er aber optimale Bedingungen.
Nicht viele hatten es ihm vor einem Jahr zugetraut, den Traditionsclub wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Trotz einiger Reibereien innerhalb des Kaders stellte Bommer aber eine Zweckgemeinschaft zusammen, die ihr Ziel erreichte. In meinen 20 Spielerjahren war ich nie nach dem Training mit meinen Kollegen einen Kaffee trinken. Ich brauche keine elf Freunde, wichtig ist nur, dass auf dem Rasen alles stimmt, sagt der Coach, der 1984 sechs Länderspiele für die deutsche Nationalelf absolvierte und als Kapitän der Olympia-Auswahl 1988 in Seoul die Bronze-Medaille gewann.
1989 wollte er seine Karriere ausklingen lassen. Ich war bereits drei Jahre Freizeitkicker, dann überredete mich Dragoslav Stepanovic zum Comeback in Frankfurt, erinnert sich Bommer, der noch vier Jahre auf hohem Bundesliga-Niveau spielte und seine Trainer-Lizenz erwarb: Das war ein Glücksfall, eigentlich war ich schon raus aus dem großen Fußball. Vieles, wie etwa taktische Kniffe und gute Menschenführung, habe er sich selbst beigebracht. Manchmal musst du als Trainer ein Schauspieler sein, sagt Bommer. In der vergangenen Saison habe er oft die Faust in der Tasche geballt. Hätte ich den Knatsch aus der Kabine nach außen getragen, wären wir vielleicht nicht aufgestiegen.
Den erfolgreichen Offensivfußball will Bommer fortsetzen und glaubt dafür die richtigen Neuzugänge - wie den nigerianischen Stürmer Manasseh Ishiaku - geholt zu haben. Außenseiter sind wir sowieso, und in allen Wettbüros werde ich als erster Trainer, der fliegt, gehandelt, sagt Bommer, der wieder einen Stammplatz in der Bundesliga will. Er habe Spaß an dieser Herausforderung und kündigt an: Weihnachten werde ich noch MSV-Trainer sein.
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