Freiburg - Der direkte Wiederaufstieg ist das Ziel, doch der SC Freiburg wird für eine Rückkehr in die Fußball-Bundesliga kein Tafelsilber verkaufen.
Große Namen zu holen, wäre eine Mondfahrt, die sich der SC nicht leisten kann, beschreibt Trainer Volker Finke die neue alte Philosophie beim Sportclub, der zum dritten Mal nach 1997 und 2002 aus der ersten Liga abgestiegen ist. Keine Schulden zu machen und dadurch Wettbewerbsnachteile in Kauf zu nehmen, habe seinen Preis, erklärt der 57-Jährige. Doch glücklicherweise sei es eine Stärke des Clubs, unbekannte Perlen zu entdecken.
Mit Spielern, die als hoch begabte Talente zu uns gekommen sind, haben wir keine guten Erfahrungen gemacht. Man denke an Sternkopf oder But: die waren hier die Rohrkrepierer, sagte Finke, der am 30. September 2005 den Rekord von Otto Rehhagel als dienstältester Bundesliga-Trainer brechen dürfte. Der Akt des Abstieges setzte im Breisgau nach außen hin keine großen Emotionen mehr frei. Der Schmerz hat sich diesmal auf etwas längere Zeit verteilt, sagt auch Kapitän Richard Golz.
Der Gesamtetat für die Zweite Liga soll laut Manager Andreas Bornemann von 25 auf 14 Millionen Euro reduziert werden, das ist rund eine Million mehr als in der letzten Zweitliga-Saison. Finanzmittel für eine kontrollierte Offensive auf dem Transfermarkt wären vorhanden: Der SC wurde im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens als gesundes Wirtschaftsunternehmen eingestuft. Doch statt personelle Risiken einzugehen, wird das Geld zusammen gehalten.
Sie sind sehr harte Verhandlungspartner, sagt der Berater eines Spielers. So wird mancher Profi derzeit im Unklaren gelassen, um andere Möglichkeiten auszuloten oder auf Zeit zu spielen und um die Preise zu drücken. Ich habe keine Ahnung, was nächste Saison ist, sagt etwa der bald vertragslose Bruno Berner. Als Zuwachs für die neue Saison steht bislang Torwart Alexander Walke (Werder Bremen, ablösefrei) fest, Zlatan Bajramovic wechselt zu Schalke 04.
Abzuwarten bleibt, inwieweit sich das früher so innovative Spiel des weiträumigen Pressings und Verschiebens in Ballnähe erneuern lässt. Früher konnte sich jeder SC-Fan auch nach Niederlagen oft als moralischer Sieger fühlen, doch seit der UEFA-Cup-Saison 2000/2001 gelingt es nur noch selten, das Publikum zu begeistern. Es wirkt manchmal etwas teilnahmslos, doch das täuscht, versichert Kapitän Richard Golz, gibt jedoch zu: Dass man einen Systemvorteil spüren konnte, ist lange her, sicherlich fünf Jahre. Auch Finke befand bereits vor längerer Zeit in Anspielung auf eine verlorene taktische Überlegenheit: An der Mittellinie wartet heute niemand mehr.
Besonders in dieser Saison hat sich die oft wehrlos wirkende Finke-Truppe allerdings kaum wettbewerbsfähig gezeigt, sich sogar ein Stück weit blamiert. Nur drei Mal in dieser Saison war das Badenova- Stadion ausverkauft. Es sei die bitterste Zeit seit ich hier bin. Es ist fast tragisch, sagt Daniel Schumann angesichts von drei Siegen - nur einem mehr als Tasmania Berlin, dem Inbegriff aller Negativrekorde der Liga. Spätestens im Jahr 2005 ist das Bild von kombinierenden Breisgau-Brasilianern überholt und auch Finke hat erkannt, dass es nun auch um neuen Kredit beim Zuschauer geht.
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