Mailand - Jahrelang wurde er belächelt und in Italiens Nobelclubs sogar als Landei verspottet, heute bejubeln sie ihn als derzeit größten Trainer des Landes. AC Mailands Trainer Carlo Ancelotti hat in den vergangenen Jahren eine rasante Karriere hingelegt.
Aus dem ewigen Zweiten wurde der gefeierte Meistertrainer, der Milan nach dem Titelgewinn 2003 erneut ins Halbfinale der Champions League gegen den PSV Eindhoven führte und auch in der Serie A wieder auf Titelkurs ist. Die Spötter sind längst verstummt. Was dem Mann aus einem kleinen Dorf in der Emiglia Romagna früher als Plumpheit oder sture Wortkargheit vorgeworfen wurde, loben die Experten heute als Abgeklärtheit, Gelassenheit und Souveränität. Erfolg macht attraktiv.
Die La Gazzetta dello Sport überschlägt sich wöchentlich mit Höchstnoten für Ancelotti, der mit seinem taktischen Gespür jede Bewegung des Gegners vorausahnt und abblockt. Früher selbst als Kicker im Trikot des AC Milan, hat ausgerechnet jener Mann, dem Star-Allüren und die große Show-Bühne völlig fremd sind, den schillerndsten Fußballclub Italiens zurück zu den ganz großen Erfolgen geführt.
Doch es war ein Triumph mit langem Anlauf. Als Co-Nationaltrainer unter Arrigo Sacchi blieb er erfolglos. Nachdem er den Zweitligisten Reggiana in die Serie A geführt hatte, blieben die anvisierten Titel mit dem Pokalspezialisten AC Parma und bei Juventus Turin aus. Zwei Mal Vize-Meister wurde er vor seiner Rückkehr nach Mailand. Als Erfolg wurden ihm die zweiten Plätze nicht angerechnet. Ancelotti bringt kein Glück, hieß es vielmehr.
Milans allmächtiger Club-Besitzer Silvio Berlusconi war anderer Meinung und holte den heute 45-Jährigen zu den rot-schwarzen Teufeln. Der Champions-League-Sieg in Manchester, ausgerechnet gegen den Ligarivalen Juventus Turin, bestätigte Italiens Ministerpräsidenten.
Und auch in diesem Jahr steuert Milan unter Ancelotti auf Erfolgskurs. Er zimmerte die beste Abwehr der Liga und eine der besten Sturmformationen der Welt zusammen. Der ruhige Trainer impft seiner Mannschaft außerdem sehr erfolgreich Selbstvertrauen ein. Der Champions-League-Sieger 2005 fängt mit M an, hatte er schon vor der Saison gesagt. Madrid und München sind draußen - der Titel muss also nach Mailand. Da sind sich die Tifosi mit Ancelotti einig.
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