London - 50 Jahre nach dem bislang einzigen Triumph in der 100-jährigen Club-Geschichte ist der FC Chelsea zum zweiten Mal englischer Fußball-Meister geworden.
Durch ein 2:0 bei den Bolton Wanderers liegt das Team aus dem Westen Londons drei Spieltage vor Schluss mit 88 Punkten uneinholbar vor dem FC Arsenal (74) und Manchester United (70). Den historischen Erfolg feierte Trainer José Mourinho zunächst ganz alleine.
Während sich seine Spieler nach dem Schlusspfiff in den Armen lagen, blieb der Coach einsam auf der Bank sitzen, griff zum Handy und telefonierte mit seiner Familie in Portugal. Erst später in der Kabine ließ er seinen Emotionen freien Lauf, hüpfte vor Freude mit der Mannschaft im Kreis und genoss lachend eine Champagnerdusche.
Diese Spieler sind was ganz Besonderes, sie haben es sich verdient, erklärte der 42-jährige Portugiese. Der sonst so coole Erfolgscoach überraschte mit einer Liebeserklärung: Diese Jungs sind so einzigartig, dass ich so lange wie möglich bei ihnen bleiben möchte. Noch viele Jahre. Mein Herz gehört hier hin und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich meinen Vertrag in Kürze verlängere. Mourinhos derzeitiger Kontrakt läuft bis 2007.
Überschwänglich feierte die Presse Chelseas Erfolg: Im blauen Himmel, titelte der Telegraph, und die News of the World forderte nach Meisterschaft und Ligapokal mit Blick auf die Champions League: Und jetzt das Triple. Wegen des Halbfinal-Rückspiels am Dienstag beim FC Liverpool (Hinspiel 0:0) fiel die Meisterfeier kurz aus: Der Boss erlaubte jedem nur ein Glas Champagner. Wir hätten gerne die Nacht durchgefeiert, aber das heben wir uns auf - hoffentlich für Dienstagabend, meinte Kapitän John Terry.
Mann des Tages war Englands Mittelfeldstar Frank Lampard, der beide Tore schoss und seine Saisonausbeute damit auf 18 Treffer erhöhte. Diesen Moment werde ich mein ganzes Leben lang genießen, jubelte Champion Franky (Mirror). Chelseas Torwart Petr Cech stellte einen neuen Premier-League-Rekord auf: Zum 24. Mal kassierte er in dieser Saison kein Gegentor.
Die Stimmungslage vor dem Rückspiel an der Anfield Road könnte unterschiedlicher kaum sein. Wir fahren als Meister mit viel Selbstbewusstsein nach Liverpool, sagte Lampard. Tristesse hingegen beim Gegner: Liverpool verspielte mit dem 1:1 gegen Middlesbrough die wohl letzte Chance auf den vierten Platz und damit die Teilnahme an der europäischen Königsklasse. Dietmar Hamann feierte in der 84. Minute sein Comeback nach dem Innenbandriss am 20. März.
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