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Aachen gewinnt ersten europäischen Klassenkampf | 2004-10-22


Köln - Sie tanzten vor Freude, animierten Zigtausende zur Welle und feierten Aachener Karneval in Köln: Die krassen Außenseiter von Alemannia Aachen genossen ihren ersten Sieg im europäischen Klassenkampf im Überschwang der Gefühle.

Der einzige Zweitligist unter den 40 Clubs der UEFA-Cup-Gruppenphase setzte seinen phänomenalen Einstand auf der großen Fußball-Bühne mit dem 1:0 (0:0) gegen Frankreichs Tabellen-Zweiten OSC Lille fort und darf sogar vom Einzug in die 3. Runde träumen.

Draußen, im Rechteck des Kölner RheinEnergieStadions, gaben die Alemannia-Fans unter den 20 352 Zuschauern Traditionelles von sich: So ein Tag, so wunderschön wie heute und Oh, wie ist das schön. Drinnen lief es Trainer Dieter Hecking eiskalt über den Rücken: Das war Gänsehaut pur, schilderte der 40-Jährige seine Gefühle, als die entzückten Aachen-Anhänger Wir wolln den Trainer sehn brüllten.

In der Analyse war Hecking nach dem 1:0 durch Mannschaftskapitän Erik Meijer (67. Minute) dann wieder sachlich wie immer. Man habe keinen Klassenunterschied gesehen, seine Mannschaft habe dem Druck Stand gehalten, sein Team habe nicht nur alles versucht, sondern auch alles nahezu perfekt gemacht. Doch der Stolz über den Erfolg brach schließlich auch bei ihm durch: Das ist ein schöner, großer und guter Tag für uns alle. Ein bislang einzigartiger Tag.

Auch gegen Lille stürmten die Aachener im Hurra-Stil, obwohl Hecking Bedenken hatte, ob wir gegen diese Mannschaft bestehen können. Es ging gut, weil Hecking zwar Disziplin will, aber auch lange Leine lässt: Mainz und wir verkörpern das, was in Deutschland vielleicht ein bisschen verloren gegangen ist. Den Spaß am Fußball. Torschütze Meijer, 35 Jahre alt, hat jeden Tag Spaß, mit den jungen Jungs auf dem Platz zu stehen. Und Dauerläufer Willi Landgraf, bereits 36, will den UEFA-Cup einfach nur genießen, einfach frei nach Schnauze spielen.

Die Effekte beim DFB-Pokalfinalisten sind beachtlich. Die Schulden, die noch im Juli bei 2,8 Millionen Euro lagen, nähern sich stetig der Null. Club-Präsident Horst Heinrichs: Wir waren schon mausetot. Und sollte die Alemannia die Gruppenphase mit den Spielen beim FC Sevilla (4. November), gegen Zenit St. Petersburg (2. Dezember) und bei AEK Athen (15. Dezember) überstehen, sieht es gut aus, so Geschäftsführer Bernd Maas. Den jetzigen Status wollen sie konservieren: Hinter St. Petersburg (5:1 gegen Athen) liegt Aachen an Position 2. Und mit zwei Heimsiegen haben wir eine große Chance, weiterzukommen, rechnet Meijer vor. Man muss ja nur Dritter werden.


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