Aachen - Die Festivitäten nehmen für Willi Landgraf kein Ende. Der kleine Mann, verteidigender Dauerläufer von Alemannia Aachen, ist mit seinen 1,66 m derzeit eine feste deutsche Fußball-Größe.
In seinem 479. Zweitliga-Spiel stellte er die Bestmarke des ehemaligen Aacheners Joaquin Jo Montanes (1972 bis 1989) ein, in der Partie bei Rot-Weiß Erfurt will der 36-jährige Landgraf alleiniger Rekordinhaber werden.
Solange ich noch fit bin und mir die Jungen nicht davon laufen, mache ich weiter. Landgraf denkt nicht an das Karriere-Ende. Im Gegenteil: Mal schauen, ob es 600 werden. Vielleicht auch 800. Sein Trainer Dieter Hecking bescheinigt dem ewig Fröhlichen einen tadellosen Charakter, ohne den er den Rekord nie erreicht hätte. Ich hoffe aber, dass er nicht mehr allzu viele Spiele in der 2. Liga macht - wünscht Hecking seinem Muster-Profi: Die 1. Liga und ein Kopfballtor im Westfalenstadion (Landgraf) sind das Ziel.
Landgraf ist einer, mit dem sich der Fan vorbehaltlos identifiziert. Erstens funktioniert Williiii, wie sie am Tivoli bei jedem seiner Ballkontakte jubeln, mit seinen 36 Jahren noch immer wie ein VW-Käfer und läuft und läuft und läuft. Zweitens krempelt er dort die Ärmel hoch und malocht, wo die fußballerische Finesse vielleicht fehlt. Die Verehrung für Landgraf hat in der Kaiserstadt Aachen schon fast heldenhafte Züge.
Nach dem 3:1 gegen Saarbrücken trugen sie ihn auf den Schultern. Nach der vollendeten 480 will sich Landgraf revanchieren und ein Fest geben: Aber nur mit Pommes komme ich da wohl nicht hin. Frittierte Kartoffelstreifen als Speise und vielleicht ein paar Bier - der in Bottrop bodenständig neben einem Biotop lebende Vorzeige-Profi hätte nichts dagegen: Und wenn wir feiern, dann reicht das für sechs bis sieben Wochen.
Ob 479 oder 480 - letztlich ist das nur eine Zahl, aber ich könnte dann darauf zurückblicken, dass ich sehr viele Spiele gemacht habe, sagt Landgraf. Und wenn der Rekord endgültig in seinen Besitzstand über gegangen ist, sei das dann die Bestätigung, dass ich nicht so viel verkehrt gemacht habe in meinem Fußballer-Leben. Eines vielleicht doch: nie einen Berater gehabt zu haben, der ihm einen Vertrag in der 1. Liga verschafft. Aber das Geld habe ich mir dann doch lieber in die eigene Tasche gesteckt.
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