Bochum - Der Sirtaki wurde zum Dauerhit. Wann immer Theofanis Gekas vor heimischer Kulisse ins Schwarze traf, erfreuten sich die Fans des VfL Bochum an den Klängen des griechischen Volkstanzes.
Mit bisher 20 Treffern schickt sich der Angreifer an, nach Stefan Kuntz (1986/22) und Thomas Christiansen (2003/21) der dritte Bundesliga-Torschützenkönig des Revierclubs zu werden. Für den VfL ist das Fluch und Segen zugleich: Wie zuvor Kuntz und Christiansen nutzt auch Gekas den Höhenflug zu einem lukrativen Vereinswechsel.
Doch der Trennungsschmerz in Bochum hält sich diesmal in Grenzen. Die meisten Fans, Mitspieler und Funktionäre empfinden mehr Dankbarkeit als Groll. Vor allem der ehemalige VfL-Profi und jetzige Club-Manager Kuntz reagiert gelassen. Aus gutem Grund: Denn das Schnäppchen aus Griechenland entpuppte sich nicht nur als Lebensversicherung im Kampf um den Klassenverbleib, sondern auch als Gewinn bringende Investition. Der für 300 000 Euro ausgeliehene Gekas wechselt für geschätzte vier Millionen Euro zu Bayer Leverkusen. An der Börse würde man über so viel Rendite jubeln, sagte Kuntz.
Mit einer solchen Wertsteigerung konnte niemand rechnen. Der Aufstieg von Gekas vom Ersatzspieler in Griechenland zum besten Torjäger der Bundesliga trägt märchenhafte Züge. Weil der 26-Jährige bei Panathinaikos Athen keine Perspektive mehr besaß, kam die Offerte aus Bochum gelegen. Kuntz war schon früh auf Gekas aufmerksam geworden und hatte nach einem Gespräch mit dem griechischen Nationaltrainer Otto Rehhagel den Wechsel in die Wege geleitet. Nur wenige Monaten später lag das Bochumer Publikum der vermeintlichen Notlösung zu Füßen.
Die unnachahmliche Spielweise des schnellen Stürmers, aus dem Grenzgebiet zum Abseits seinen Gegenspielern zu entwischen, sorgte auch teamintern für hohe Wertschätzung. Großzügig sahen die restlichen Profis über den nicht besonders ausgeprägten Übungseifer ihres Stars hinweg. Er macht im Training nicht viel. Deshalb ist er am Wochenende fit genug, um die Dinger reinzumachen, scherzte VfL- Kapitän Thomas Zdebel.
Doch selbst nach seiner Einigung mit Leverkusen ließ Gekas keine Söldnermentalität erkennen. Vom 25. bis zum 32. Spieltag erzielte er zehn von 18 Bochumer Treffern und schoss sein Team damit fast im Alleingang aus dem Tabellenkeller. Er wird deshalb voraussichtlich der erste Grieche sein, der die Bundesliga-Torjägerkanone in Empfang nimmt. Auf der Internet-Homepage des VfL Bochum wirbt er um Verständnis für seinen Wechsel: Die Perspektive, die mir Leverkusen sportlich aber auch wirtschaftlich bietet, kann ich nicht ignorieren.
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