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Italiens Fußball in hellem Aufruhr | 2004-04-20


Rom - Palastrevolte bei Inter Mailand und Zwergenaufstand in Perugia - Italiens Fußball ist in hellem Aufruhr. Auch wenn sie in dieser Saison sportlich nach hinten durchgereicht wurden, in Sachen grande spettacolo sind die Italiener in Europa immer noch die Nummer eins.

Kaum sind die Finanzaffären und drohenden Club-Pleiten etwas in den Hintergrund getreten, liefert die Serie A neue Skandale: Inters unzufriedener Stürmerstar Christian Vieri fordert Trainer Alberto Zaccheroni offen heraus und der für spektakuläre Aktionen bekannte AC Perugia droht gleich der ganzen Liga mit Streik und Aufstand.

Jetzt werde ich die Meisterschaft verfälschen, poltert Perugias schillernder Club-Chef Luciano Gaucci und kündigte den sofortigen Streik seines Teams an. Statt in Brescia zu spielen, könnten wir am Sonntag ein Freundschaftsspiel gegen Libyen austragen, erklärte Gaucci. In einem sechsseitigen Dossier listet er 28 angebliche Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auf, die Perugia insgesamt elf Strafstöße verweigert sowie 75 gelbe und acht rote Karten zu Unrecht an Perugia-Spieler verteilt hätten. Nur deshalb stehe sein Club als Tabellenvorletzter unmittelbar vor dem Abstieg.

Nun plant Gaucci den Aufstand der von den reichen Clubs um Juventus Turin und AC Mailand nach seiner Meinung unterdrückten Fußballzwerge. Ich muss ihn umstimmen, damit wir die Liga halten, hofft Trainer Serge Cosmi auf einen Sinneswandel seines Chefs. Der ist allerdings für spektakuläre Aktionen bekannt. Nach der Weltmeisterschaft 2002 warf Gaucci seinen südkoreanischen Stürmer Ahn raus, weil der mit seinem Tor im Achtelfinale die italienische Nationalmannschaft nach Hause geschickt hatte. In dieser Saison nahm er Saadi El Ghaddafi, den Sohn von Libyens Staatschef, in den Kader auf, der bis zu seiner Dopingsperre aber nie spielte. Zu den erfolglosen Plänen zählte die gescheiterte Verpflichtung der deutschen Welt-Fußballerin Birgit Prinz für seine Herrenmannschaft. Viele halten Gauccis Boykott-Drohungen nur für einen Sturm im Wasserglas. Gut möglich, dass Perugia nach viel Geschrei doch brav in Brescia spielen wird.

Bei Inter Mailand dagegen werden sich die Wogen nicht so schnell glätten, nachdem der angeschlagene Vieri sich geweigert hatte, für einen möglichen Kurzeinsatz auf der Ersatzbank Platz zu nehmen. Vieri ging öffentlich auf Konfrontationskurs mit Trainer Zaccheroni. Einer ist zu viel, brachte die La Gazzetta dello Sport die Situation auf den Punkt. Club-Präsident Facchetti halte zum Trainer, Club-Besitzer Moratti, der ohnehin mit Lazio Trainer Roberto Mancini liebäugelt, dagegen zu Vieri. Inter ist gespalten. Und das vier Spieltage vor Ende der Saison, in der der Club als Tabellenvierter noch um den Einzug in die Champions League bangen muss.


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