München - Die Fußball-Bundesliga verliert einen ihrer größten Künstler. Mit seinem 392. Liga-Spiel sagt Mehmet Scholl Servus und blickt einer emotionalen Abschieds-Party entgegen.
Das letzte Pflichtspiel für Bayern ist ein besonderes. Ich weiß noch nicht, ob ich meine Gefühle durchgehen lassen oder diese 50 Minuten sachlich spielen soll, schilderte der 36-jährige Mittelfeldspieler des FC Bayern München seine Gedanken. Gegen den FSV Mainz 05 darf der Techniker erstmals seit über einem Jahr wieder von Beginn an auf der Bühne stehen - für die 50. Minute ist dann der vielleicht tränenreiche Abschied vor 69 000 Zuschauern angekündigt. Jetzt ist es einfach so weit. Ich gehe - und ich gehe vor allen Dingen gerne, betonte der frühere Karlsruher, der am 21. April 1990 sein Bundesliga-Debüt gab.
Als der Spargeltarzan (Manager Uli Hoeneß) vor 15 Jahren zum Dienstantritt an der Säbener Straße erschien, konnte niemand ahnen, dass der später von unzähligen Muskelverletzungen, Zerrungen und Bänderdehnungen heimgesuchte Scholl mit acht Meistertiteln zum Rekordhalter avancieren würde. Aber mein größter Erfolg bei Bayern ist, dass ich es 15 Jahre geschafft habe, in diesem Zirkus Fußball zu spielen, und nicht im Haifisch-Becken gefressen zu werden, sagte der Individualist, der nicht nur einen Haufen Stars kommen und gehen sah, sondern auch zwei Spieler-Generationen miterlebte. Zu Feiern gab es in den Jahren, in denen er sich vom extrovertierten Teenie-Idol zum schweigsamen Kult-Kicker wandelte, jede Menge: Scholl gewann Champions League, Weltpokal, UEFA-Cup, und holte fünf Pokalsiege.
Mit einer Leck-mich-am-Arsch-Einstellung (Scholl), dem Glauben an die eigene Stärke, den unnachahmlichen Haken und Dribblings hielt sich Ausnahmekönner Scholl bei den Bayern. Er vermittelt das, was Spaßfußball ist, sagte Manager Hoeneß über den lieben Super- Burschen, der mit seiner fröhlich-frechen Art den Weg in die Herzen der Fans aller Clubs fand. In den letzten Jahren seiner Laufbahn arbeitete er aber praktisch nur noch als Halbprofi, die Öffentlichkeitsarbeit stellte er zeitweilig ganz ein, Verletzungen und weniger Einsätze zwangen ihn zu vielen Pausen und einem stillen und leisen Karriereende.
Auch Verletzungen brachten ihn um die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft, doch selbst ohne Blessuren entbrannte zwischen dem 36-maligen Nationalspieler und der Auswahl nie die große Liebe. Die Ehe DFB und Scholl hat irgendwie nicht zusammengepasst, erklärte der Vater zweier Kinder. Beim größten Erfolg, dem EM-Titel 1996, stehen drei Einsätze - und drei Auswechslungen - zu Buche.
Für die Zukunft hat Scholl keinen Plan. Konzerte will der Musikfreak häufiger besuchen, in der Kegel-Bezirksliga für den FC Bayern antreten; vage spricht er über viele Dinge, die er machen will. Der Weg zurück zum Club - in welcher Funktion auch immer - ist für den Publikumsliebling immer offen. Seine Anhänger sollen ihn im August in einem Abschiedsspiel gegen den FC Barcelona noch einmal bestaunen dürfen, aber auch danach ist er nicht von der Bildfläche verschwunden: Filmstar Scholli, der im Training auf Schritt und Tritt von der Kamera verfolgt wurde, wird es noch in Kino und Fernsehen geben.
Gebhardt und Bemben vor Unterschrift bei Union2004 entscheidet über den Weg zur Fußball-WM368 000 Euro für Schweizer Spieler bei EM-SiegRegensburg verschenkt Führung gegen Kickers: 2:2Brasilien schlägt Haiti mit 6:0Skandal in Belgien weitet sich aus: Trainer entlassenWeiter Ansturm auf bunt-gemischte Fan-PartysRegensburg bezwingt Aufstiegsanwärter Siegen 1:0Sprüche vom 15. Bundesliga-SpieltagGescheiterte Bayern blasen zum nationalen Angriff1673 |
1501 |
1306 |
1387 |
1195 |
13987 |
13627 |
13180 |
13870 |
13209 |