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Spaniens will harte Linie gegen Rassismus | 2004-12-03


Madrid - Der Rassismus hat sich wie ein Domino-Effekt im spanischen Fußball ausgebreitet. Real Madrid und dem spanischen Verband (RFEF) drohen Sanktionen der UEFA und der FIFA, nachdem dunkelhäutige Spieler im Bernabéu-Stadion mit Hassgesängen verhöhnt worden waren.

Die Ereignisse werfen auch einen Schatten auf Madrids Olympia-Kandidatur für 2012. Spaniens Sportoffizielle mussten sich eine Vogel-Strauß-Politik vorwerfen lassen. Nun aber kündigte die Madrider Regierung eine harte Linie gegen rassistische Beleidigungen an. Die Kommission zur Bekämpfung der Gewalt verabschiedete einen Sofortplan, der die Schaffung eines Rassismus-Observatoriums vorsieht. Teilnehmer an rassistischen Ausschreitungen sollen identifiziert und hart bestraft werden. Das Gremium, dem Vertreter des Staates und der Sportverbände angehören, verlangt, dass bei rassistischen Anfeindungen die Höchststrafe verhängt wird - fünf Jahre Stadionverbot und 60 000 Euro Geldbuße.

Der Rassismus-Skandal im spanischen Fußball war allerdings nicht von rechtsradikalen Fans ausgelöst worden, sondern von keinem Geringeren als Nationaltrainer Luis Aragonés. Der 66-Jährige hatte im Zusammenhang mit dem Franzosen Thierry Henry (Arsenal London) von Scheißneger gesprochen. Dies löste eine Welle von Zwischenfällen aus. Beim Länderspiel Spanien gegen England (1:0) und bei der Champions-League-Partie Real Madrid gegen Bayer Leverkusen (1:1) verhöhnten Zuschauer die dunkelhäutigen Fußballer des Gegners mit Affengebrüll und rassistischen Gesängen. Aus den Erstliga-Stadien in Málaga und Getafe wurden ähnliche Vorkommnisse gemeldet.

Real Madrid dürfte, wie das Sportblatt As berichtete, bei der UEFA mit einer Geldstrafe davonkommen. Dies wird eine letzte Warnung sein, und beim nächsten Mal wird die UEFA rigoros das Bernabéu-Stadion sperren, schreibt das Blatt. Unter den Verantwortlichen herrscht Einigkeit, dass nun etwas geschehen muss. Bisher hatte in Spanien die Neigung bestanden, den Rassismus im Fußball zu ignorieren. Doch nach den jüngsten Vorfällen konnten auch die Medien das Thema nicht mehr übergehen.

Für Real bedeutet dies, dass der Club sich wieder einmal mit seinen - nicht gerade königlichen - Fans der Ultrasur herumärgern muss. Diese radikale Gruppe hatte dem Verein 1998 riesigen Ärger eingebracht, als sie vor einem Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund ein Tor niederriss. Die Devise muss jetzt Null-Toleranz lauten, fordert As. Aber wirklich null Komma null. Nette Worte und ein paar Kontrollen reichen nicht.

Noch schwieriger liegen die Dinge beim Verband RFEF. Der Verband hätte Aragonés auf der Stelle hinauswerfen müssen, beklagt der Schriftsteller Vicente Molina Foix. Aber der RFEF-Präsident Angel María Villar denkt nicht daran. Er steht ohnehin im Ruf, gerne ein Auge zuzudrücken - nicht nur im Rassismus-Skandal. Der Verbandschef will dem FC Barcelona die Stadionsperre wegen des Spanferkel-Wurfs vor zwei Jahren erlassen.

Angeblich erwägt er sogar, den Dopingsünder Carlos Gurpegi zu begnadigen. Der Fußballer wurde in allen Instanzen zu zwei Jahren Sperre verurteilt, kickt aber munter weiter für Athletic Bilbao. Dies ist der Verein, für den auch Villar früher gespielt hatte.


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