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BVB im Überlebenskampf - Scharfe Marwijk-Kritik | 2004-11-14


Kaiserslautern - Der einstige Branchenführer steckt tief im sportlichen und wirtschaftlichen Überlebenskampf, doch einige der hoch bezahlten Stars von Borussia Dortmund scheinen den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben.

Rund 19 Stunden Stunden vor der mit großer Spannung erwarteten Mitgliederversammlung enttäuschten beim 0:1 (0:0) im Bundesligaspiel beim 1. FC Kaiserslautern vor allem die Leistungsträger. Ich bin enttäuscht von ein paar Spielern: Es gibt einige, die nur gut spielen, wenn die ganze Mannschaft gut ist, ließ Trainer Bert van Marwijk nach der dritten Pleite in einer Woche Dampf ab. Schönreden wollte er nichts: Wir spielen gegen den Abstieg und müssen überleben.

Während die Enttäuschung bei den Borussen riesengroß war, freuten sich die Lauterer über den immens wichtigen Dreier, durch den die Pfälzer die Abstiegsplätze wieder verlassen konnten. Für Kurt Jara war der Sieg auch ein Schritt in Richtung gesicherter Arbeitsplatz. Wir sind sehr glücklich. Jetzt haben wir eine gute Ausgangsposition für die beiden Heimspiele, damit wir 20 Punkte bis zur Winterpause schaffen, sagte der sichtlich gelöste österreichische Trainer.

Zum Lächeln war van Marwijk ganz und gar nicht zumute. Das hatte mehrere Gründe. Der Elfmeter, den Ferydoon Zandi in der 71. Minute zum Siegtreffer nutzte, sei ungerechtfertigt gewesen, ereiferte sich der Coach. Zudem haderte er mit dem ansonsten sehr fleißigen Florian Kringe, der in der Schlussminute den Ausgleich hätte machen müssen.

Und dann waren da noch die Stars wie Tomas Rosicky, Ewerthon oder Jan Koller, der sich völlig unnötig die fünfte Gelbe Karte einhandelte und damit im Kellerduell gegen den SC Freiburg fehlt. Sie konnten auf dem Platz keine Akzente setzen. Es sei doch bezeichnend, wenn der eingewechselte 17-jährige Marc-André Kruske - der fünftjüngste Spieler in der Bundesliga-Geschichte - einer der besten gewesen sei, meinte van Marwijk. Namen wollte er nicht nennen, nur so viel: Die Spieler, die für uns den Unterschied ausmachen können, sind nicht aufgestanden.

Schuld an der sportlichen Misere habe auch die Gesamtsituation des mit rund 120 Millionen Euro verschuldeten Clubs, befand van Marwijk, der in dieser Woche ein Gespräch mit der Vereins-Führung suchen will. Die letzten Wochen und Monate waren sehr schwer für die Mannschaft. Wir wussten nicht, was hinter den Kulissen passiert, sagte Nationalspieler und Kapitän Christian Wörns. Trotz eines gebrochenen Nasenbeins nach einer Viertelstunde hielt der Routinier durch, kämpfte viel, patzte aber auch einige Male.

In Kaiserslautern kann die Freude über den Erfolg schnell wieder zur Momentaufnahme werden. Umso strahlender wurde der Sieg bejubelt. Das gibt Selbstvertrauen, meinte Manndecker Ingo Hertzsch. Wichtig sei die Zusage des Vorstandsvorsitzenden René C. Jäggi gewesen, dass Jara auf jeden Fall bis zur Winterpause Trainer bleibe. Das hat Ruhe gebracht. Immerhin holten die Lauterer sieben Punkte aus den vergangenen drei Spielen.

Kurzzeitig für Unruhe sorgte allerdings Torwart Tim Wiese. Sekunden vor Spielschluss ging er wutentbrannt und wild gestikulierend seinem Mitspieler Lucien Mettomo an den Kragen. Der Kameruner hatte dem BVB mit einem kapitalen Schnitzer die Riesenchance zum Ausgleich eröffnet. Das passiert im Eifer des Gefechts, meinte Wiese, der sich gleich nach dem Match für seinen Ausraster entschuldigte: Es geht halt an die Nerven, wenn man bis zur letzen Minute um den Sieg bangen muss.


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