Leipzig - Er kam als Lückenbüßer nach Leipzig, doch nach dem Länderspiel gegen Kamerun will Moritz Volz als ein weiterer Hoffnungsträger für die WM 2006 zurück nach London fliegen.
Ich möchte bei den Trainern einen guten Eindruck im Training und im Spiel hinterlassen, kündigte der 21 Jahre alte Abwehrspieler des FC Fulham selbstbewusst an, nachdem er erstmals mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft trainiert hatte.
Volz weiß, dass das Testspiel in Leipzig eine unverhoffte, aber auch einmalige Chance für ihn ist. Denn nach dem Ausfall von Andreas Hinkel (Muskelfaserriss) und vor allem wegen der langfristigen Verletzung von Andreas Görlitz (Kreuzbandriss) könnte sich der Neuling auf Anhieb als eine Alternative aufdrängen. Im Konkurrenzkampf auf der rechten Abwehrseite möchte ich mir gute Chancen geben, beschrieb er sein Ziel. Das Vertrauen der Trainer ist ihm gewiss und vermutlich sogar ein Platz in der Anfangself. Moritz ist Stammspieler in Fulham, das spricht für seine Qualität, sagte Assistenztrainer Joachim Löw.
Nach Robert Huth (20/FC Chelsea) und Thomas Hitzlsperger (22/Aston Villa) ist Volz bereits der dritte Youngster aus der Premier League, den Jürgen Klinsmann in die DFB-Auswahl geholt hat. Die neue englische Welle ist kein Zufall mehr, sondern sie hat System. Der Reifeprozess geht dort schneller als zu Hause, erläuterte Löw.
Als 16-Jähriger wechselte der in Siegen geborene Volz vor fünf Jahren vom FC Schalke zum FC Arsenal. Schalke-Manager Rudi Assauer schäumte seinerzeit, doch Volz ist nicht erst seit Klinsmanns Ruf froh, dass ich mich für England entschieden habe. Zwar schaffte er nicht den Sprung in das Star-Ensemble des englischen Meisters, aber über ein kurzes Gastspiel beim FC Wimbledon fand der Jung-Profi sein Glück schließlich in Fulham. Heimweh nach Deutschland und Ambitionen auf die Bundesliga hat er nicht: Ich fühle mich sehr wohl in England und bei Fulham. Sein Vertrag bei dem Londoner Verein läuft bis 2007: Ich denke im Moment nicht daran, in die Bundesliga zu wechseln.
Volz betrachtet England als optimale Schule für junge Spieler. Denn in England sei die Anbindung an den Profikader viel größer und vor allem früher gegeben. Bei Schalke hatte man als Jugendspieler überhaupt keinen Kontakt zu den Profis, berichtete er. Bei Arsenal durfte er schon als 16-Jähriger hin und wieder mit den Stars wie Thierry Henry mittrainieren. Außerdem sei man auch privat schon in jungen Jahren auf sich allein gestellt, was im Sport helfe. Man hat dadurch gelernt, früh Verantwortung zu übernehmen, meinte Volz, der seit der U 15 alle Jugendmannschaften des DFB durchlaufen hat.
Ein Vorteil für die Engländer ist auch, dass Klinsmann der Nationalelf im Hinblick auf die WM Markenzeichen des Fußballs auf der Insel verordnet hat, wie Volz weiß: In der Premier League wird das Tempo sehr hoch gehalten und die Mannschaften sind sehr offensiv ausgerichtet. In Deutschland ist der Spielaufbau langsamer und kontrollierter. Wie recht Volz mit seiner Einschätzung hatte, bekam er beim Trainingsspiel am eigenen Leib zu spüren. Als er nach Ballgewinn einen Moment mit der Eröffnung des Gegenangriffs zögerte, rief ihm Klinsmann sofort von der Außenlinie zu: Nach vorne Moritz, schau nach vorne. Der Blick geht immer Richtung 2006.
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