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Rassismus-Streit weitet sich aus | 2004-11-18


Madrid - Der Rassismus-Streit zwischen den Fußballverbänden in England und Spanien zieht immer weitere Kreise. In London schalteten sich Mitglieder der britischen Regierung in die Affäre ein und verlangten von den Spaniern eine Entschuldigung.

Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson forderte die Europäische Fußball-Union (UEFA) und den Weltverband (FIFA) auf, gegen den Rassismus im spanischen Fußball vorzugehen. Der Streit überschattete auch das Länderspiel Spanien - England (1:0) im Madrider Bernabéu-Stadion. Er war ausgelöst worden vom spanischen Nationaltrainer Luis Aragonés, der den Stürmer Thierry Henry (Arsenal London) als Scheißneger bezeichnet hatte. Rassismus-Vorwürfe in der britischen Presse konterte der Coach mit einem Hinweis auf die koloniale Vergangenheit der Briten. Der englische Verband (FA) kündigte zudem einen Protest gegen Spanien bei der FIFA und der UEFA wegen rassistischer Sprechchöre bei einem U-21- Spiel in Alcalá de Henares an.

Der britische Europaminister Denis McShane verlangte von den Verantwortlichen in Spanien eine öffentliche Entschuldigung. Der Londoner Staatsminister für Sport, Richard Caborn, erklärte: Ich möchte, dass der spanische Verband diese Szenen verurteilt. Ich bin fest davon überzeugt, dass auf höchster Stufe Maßnahmen ergriffen werden müssen. Piara Powar, Sprecher der Anti-Rassismus-Organisation Kick It Out, forderte gar: Die UEFA muss Spanien mit einem Stadionverbot bestrafen.

Nationalcoach Eriksson meinte nach dem Länderspiel in Madrid: Ich glaube, dass wir in England bei der Bekämpfung des Rassismus weiter sind als andere Länder. Auf dem Rasen des Bernabéu-Stadions gaben die Spanier allerdings ein besseres Bild ab als die Engländer. Verteidiger Asier del Horno erzielte in der 8. Minute den Siegtreffer für die Platzherren. Englands Torjäger Wayne Rooney fiel durch eine Serie rüder Fouls auf und stand am Rande eines Feldverweises. Eriksson wechselte den Jungstar noch vor der Pause aus, um ihm die Rote Karte zu ersparen.

Das Spiel stand auch im Schatten eines Boykotts der Prominenz. Auf der Ehrentribüne fand sich kein Minister ein, obwohl die Partie Spaniens 500. Länderspiel war. Der Boykott richtete sich gegen den amtierenden spanischen Verbandschef Juan Padrón, gegen den die Justiz wegen des Verdachts der Veruntreuung von Verbandsgeldern ermittelt. Niemand habe sich neben diese unvorzeigbare Person setzen wollen, schrieb die Sportpresse.


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