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Frischer Wind im Aufsichtsrat des HSV | 2004-11-23


Hamburg - World-Cup-Willi Schulz ist der Sympathieträger und Jürgen Hunke der mahnende Zeigefinger im neu gewählten Aufsichtsrat des Hamburger SV.

Als eine Stunde nach Mitternacht die Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten langsam ausklang, hatte das zwölfköpfige Gremium um den bisherigen und vermutlich auch künftigen Chef Udo Bandow eine Blutauffrischung durch vier neue Kontrolleure erfahren. Die Wahl von acht Ratsmitgliedern aus einem Kreis von 23 Kandidaten stand im Mittelpunkt der sechseinhalbstündigen Sitzung.

Neben dem 66-jährigen Schulz - der 66-malige Fußball-Nationalspieler und HSV-Weggefährte Uwe Seelers erzielte mit 615 von 775 Stimmen das beste Ergebnis - und Ex-Präsident Hunke, der dem Gremium bereits von 1996 bis 2000 angehörte, zog der 32 Jahre alte eloquente Axel Formeseyn aus der Abteilung Fördernde Mitglieder und Supporters vor allem dank einer brillanten und kämpferischen Rede in den Rat ein. Vierter Newcomer ist der 38 Jahre alte Henning Trolsen, der sich als Delegierter der Supporters nicht der Wahl stellen musste, aber schon im Vorfeld mit unorthodoxen Ideen Nasenrümpfen und Kopfschütteln der Etablierten provoziert hatte.

Kassandra-Rufer Hunke gab seinen Plan auf, den 72-jährigen Bandow vom Chefstuhl stoßen zu wollen, um darauf selbst Platz zu nehmen. Mit dem siebtbesten Ergebnis kann man keine Ansprüche stellen, konstatierte der 61 Jahre alte Kaufmann, der sich erst im zweiten Wahlgang durchgesetzt hatte. Er habe nichts dagegen, dass Bandow erneut Vorsitzender werde, meinte Hunke, drohte aber: Das setzt voraus, dass er zu Sachfragen andere Positionen einnimmt. Als erstes müsse Bandow den Präsidialausschuss, den aus vier Mitgliedern bestehenden Rat im Rat, auflösen, denn ein geteiltes Recht auf Kontrolle gebe es nicht. Im übrigen wähnt sich Hunke, der mehr Transparenz vom Vorstand forderte, gut aufgehoben in der neuen Rats-Runde: Ich habe nicht den Eindruck, dass ich der Wildeste bin.

Vereinschef Bernd Hoffmann, der den HSV mit untypischer Leidenschaft als den besten Club der Welt umjubelte, sieht den Bundesligisten mit einem leichten Bilanzplus von 73 000 Euro in der Saison 2003/2004 im richtigen Fahrwasser. Der Sparkurs mit der Verkleinerung des Kaders von 29 auf 23 Profis, eine leistungsbezogene Vergütung sowie der belebende Schwung durch den neuen Trainer Thomas Doll (Eine unserer besten Verpflichtungen) und langfristige Verträge mit den Leistungsträgern bis mindestens 2007 lassen Hoffmann die Zukunft rosarot sehen. Wir sind exzellent aufgestellt. Wir sind wieder auf dem Weg, titelfähig zu werden, erklärte der Vereinschef dem staunenenden Publikum und ergänzte: Es gibt ja mehrere Titel.


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