Stuttgart - Sein Vorgänger Krassimir Balakow bescheinigte ihm das Talent von Maradona. Rudi Völler bezeichnete ihn einmal als das Herzstück des VfB. Solche Lobeshymnen hört Alexander Hleb beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart momentan nicht.
Vielmehr prasselte massive Kritik auf den jungen Regisseur nieder. Selbst Matthias Sammer rügte die zuletzt häufig eigensinnige und dadurch unproduktive Spielweise seines Schützlings: Alex muss lernen, effektiver zu spielen und er muss unberechenbarer werden. Hleb versicherte, sich den Rüffel seines Trainers zu Herzen zu nehmen. Zugleich sagte der Weißrusse im Gespräch mit der dpa: Ich bleibe, wie ich bin.
Die jüngsten Rückschläge der furios in die Saison gestarteten Schwaben sind auch symptomatisch für Hlebs Leistungskurve. Diese wies zuletzt enorme Schwankungen auf - mit der Tendenz eher nach unten. Der begnadete Techniker konnte dem VfB-Spiel kaum noch die erhofften Impulse geben, wollte häufig mit dem Kopf durch die Wand und blieb so meist früh in der gegnerischen Abwehr hängen. Ich muss bei meinem Stil bleiben. Sonst bin ich nicht mehr der Alex Hleb, verteidigt er seine Spielweise. Der 23-Jährige führt andere Gründe für die VfB- Einbrüche an: Zuletzt war bei uns zu wenig Bewegung im Spiel. Es war schwierig, einen freien Mann zu finden.
Geht ihm etwas gegen den Strich, kann der sympathische und schelmische Superkicker schnell zum Dickkopf werden. Habe ich alleine gespielt? und haben bis auf mich alle super gespielt? blaffte Hleb einen Journalisten nach der 0:3-Pleite in Wolfsburg an. Mit Felix Magath zoffte sich der Jungspund, weil ihm der damalige VfB-Trainer nach Balakows Karriereende die heiß geliebte Rückennummer 10 verweigert hatte. Sammer erfüllte dem Fußball-Juwel diesen Traum. Dieses Vertrauen freut und ehrt mich, sagte Hleb. Die 10 ist eine große Verantwortung. Andererseits ist dieses Statussymbol des Spielmachers für ihn eine Selbstverständlichkeit: Ich habe in der Jugend und in der Nationalmannschaft immer die 10 getragen.
Hleb weiß trotz allen Selbstbewusstseins und großer Kritikresistenz, dass ihm noch einiges zur Klasse berühmter Vorgänger fehlt. Ich muss das Spiel noch besser lesen und dirigieren lernen, stärker den richtigen Rhythmus finden, listete er Defizite auf. Zudem muss ich mehr Tordrang entwickeln und mein Kopfballspiel verbessern. Anschauungsunterricht nimmt er bei Ronaldinho, Deco und Zinedine Zidane. Die finde ich gut, von denen kann ich einiges lernen, sagte er. Aber sie sind nicht meine Vorbilder.
Sein großer Traum ist der Wechsel zu einem Top-Club. Arsenal, Barcelona, AC Milan oder Juventus, zählt Hleb mit leuchtenden Augen seine Lieblingsvereine auf. Da möchte ich unbedingt mal hin. So schnell wird es damit aber nichts. Seinen Vertrag hat er im Sommer vorzeitig um zwei Jahre bis 2008 zu erheblich verbesserten Konditionen verlängert. Zwei Millionen Euro soll Hleb jetzt verdienen. Und für neun Millionen Euro Ablöse soll das Talent von 2006 an vorzeitig den VfB verlassen können.
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