Leverkusen - Lange Zeit galt er bei Bayer 04 Leverkusen als Vielchancen-Verbraucher, Phlegmatiker und Rohdiamant. In den ersten drei Jahren schoss Dimitar Berbatow gerade mal zwölf Tore in der Fußball-Bundesliga.
Den Durchbruch schaffte der 23 Jahre alte Bulgare in der vergangenen Saison mit 16 Treffern, denen er in der laufenden Hinserie bereits sieben folgen ließ. Wir haben damit gerechnet, dass er einmal das Thema schlampiges Talent beenden wird, sagte Bayer- Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Und betonte: Einen Stürmer wie Berbatow wird man in Europa unter seines Gleichen kaum finden.
Trotz des bis 30. Juni 2007 laufenden Vertrages werden immer mehr Clubs auf den aufstrebenden Torjäger aufmerksam, der die bulgarische Nationalmannschaft mit fünf Treffern fast im Alleingang zur Europameisterschaft nach Portugal geschossen hatte. Spieler wie Juan und Berbatow sind internationale Persönlichkeiten, die wir in Leverkusen halten wollen, erklärte Holzhäuser vor dem Champions-League-Spiel gegen Dynamo Kiew.
Auch Trainer Klaus Augenthaler rät Berbatow von einem Wechsel derzeit ab: Er weiß, dass er sich noch weiter entwickeln muss und was er in Leverkusen hat. Dies sieht auch der Profi selbst so. Vielleicht brauche ich noch zwei Jahre, bevor ich den Top-Level erreicht habe, meinte er. Sein Ziel ist, in die Ahnengalerie der großen Stürmer einzugehen: Wenn ich eines Tages aufhöre, möchte ich, dass sich die Leute an mich erinnern und sagen: Das war mal einer.
In seiner Heimat genießt der in Sofia geborene Sohn eines früheren Fußball-Profis und einer ehemaligen Leichtathletin schon Kultstatus, was dem zurückhaltenden Berbatow aber nicht so recht behagt. Ich mag gar nicht so im Mittelpunkt stehen, sagte Bulgariens Fußballer des Jahres 2002, der mit leiser Stimme lieber Englisch als Deutsch spricht. Die Mannschaft müsse im Vordergrund stehen. Seinen Job in diesem Gefüge beschreibt er so: Ich versuche, die Bemühungen aller sozusagen mit Toren zu einem positiven Ende zu bringen.
Dass ihm dies endlich gut gelingt, verdankt er auch dem Bayer-Coach. Es gibt für jeden Menschen und für jeden Spieler einen bestimmten Schlüssel, und vielleicht habe ich den passenden gefunden, sagte Augenthaler, der aber Berbatow immer wieder zu Fleiß und Arbeit anspornen muss: Er braucht immer den Druck und muss hin und wieder in den Hintern getreten werden.
Vor zwei Jahren hatte Berbatow den Vorwurf von Augenthalers Vorgänger Klaus Toppmöller, er sei faul, noch frech abgetan und forsch erwidert: Ich spiele halt mit Köpfchen und versuche, mir unnötige Wege zu ersparen. Inzwischen sieht er dies anders. Jeder Spieler hat so seine Schwächen. Bei mir war das sicherlich mein Defensiv-Verhalten. Diesen Fehler habe ich abgestellt, weil ich weiterkommen will, urteilte Berbatow.
Mehr würde er auch gerne aus seiner Passion, der Malerei, machen. Kreativ sein, überraschende Dinge tun, mein Lebensgefühl ausdrücken. Das kann ich sowohl beim Fußball als auch beim Malen, so der Hobby- Künstler. Sportliches Ziel ist neben der Rückkehr mit Bayer in die Bundesliga-Spitze die Weltmeisterschaft 2006. Berbatow: Es wäre ein Traum, hier in meiner zweiten Heimat für mein Heimatland zu spielen.
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