dpa: Mit welchen Erwartungen und Zielen fahren Sie nach Asien?
Jürgen Klinsmann: Wir erhoffen uns eine Fortsetzung unserer Spielweise, nach vorne, aggressiv und mit Pressing. Wir wollen in allen drei Spielen das Heft in die Hand nehmen und nicht auf Japaner, Südkoreaner und Thailänder reagieren. Dazu sind wir sehr neugierig auf die neuen Spieler, wie sie sich zeigen. Wir wollen aber auch die anderen Spieler noch besser kennen lernen, werden viele Einzel-und Gruppengespräche führen.
dpa: Wie stark werden Sie die Spieler belasten?
Klinsmann: Regeneration steht im Vordergrund. Wir werden wenig auf dem Platz trainieren, weil die Spieler unter einem hohen Rhythmus standen in den letzten Monaten. Wir werden mehr im Fitnessraum der Hotels machen. Es wird in Japan auch wieder einer der amerikanischen Fitness-Trainer zu uns stoßen. Wir werden den Spielern viel frei geben. Sie können raus gehen zum Weihnachtsshopping, wir werden Freizeitangebote machen. Aber in den Spielen wollen wir Gas geben.
dpa: Erstmals ist der neue Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann dabei. Was soll er tun?
Klinsmann: Er wird sich in den Medizinerstab einarbeiten und Schritt für Schritt ein paar Dinge erkunden. In anderen Sportarten ist der Einsatz von Psychologen seit zig Jahren normal. Im Fußball ist ihre Einbindung überfällig.
dpa: Sie haben nach den Ausfällen von Torsten Frings und Frank Baumann die Debütanten Marco Engelhardt und Christian Schulz nachnominiert. Was sprach für sie?
Klinsmann: Diese Spieler haben Potenzial. Wir gehen das Rollenspiel - was wäre wenn? - schon vorher durch. Marco stand insofern parat bei uns. Er hat konstant gute Leistungen in der Bundesliga für Kaiserslautern gebracht. Er übernimmt Verantwortung und hat im Perspektivteam 2006 gespielt. Zu Christian Schulz: Wir haben nicht so viele linkslastige deutsche Spieler. Ich habe mich mit Thomas Schaaf über ihn unterhalten. Er steht wie eine Eins dahinter. Wir vertrauen auch auf das Urteil der Vereinstrainer. Wir suchen Spieler, die an die Tür klopfen.
dpa: Ist es nicht vermessen, die Mannschaft in den drei Spielen weiter entwickeln zu wollen, wenn man so viele Neulinge dabei hat?
Klinsmann: Es ist nicht einfach, viele neue Spieler gleichzeitig zu integrieren. Aber diese Spieler sind hochmotiviert. Sie riechen die Chance, auf den WM-Zug aufzuspringen. Wer in Asien dabei ist, hat die Chance, sich einen Vorteil zu erspielen. Wir wollen den neuen Spielern auch die Chance geben, zum Einsatz zu kommen. Wir wollen sehen: Passen sie zu unserer Spielphilosophie?
dpa: Jeder Spieler soll zum Einsatz kommen, aber auch keiner zu viel nach einer strapaziösen Bundesliga-Hinrunde. Wie wird das aussehen?
Klinsmann: Wir müssen noch sehen, wie wir das aufteilen. Wir wissen um die Sorgen der Bundesligavereine. Wir wollen vermeiden, dass einer drei Mal durchspielt. Aber wir wollen auch den positiven Trend fortsetzen und wenn möglich alle drei Spiele gewinnen.
dpa: Das wird nicht einfach.
Klinsmann: Stimmt. Ich habe die Japaner ein paar Mal auf Video gesehen. Die spielen auf sehr hohem Niveau. Sie sind nicht umsonst Asien-Meister, und es wird nicht einfach, ein Erfolgserlebnis aus Japan mitzunehmen. Auch die Koreaner werden Gas geben, und die Spiele werden vermutlich alle ausverkauft sein. Wir wollen ein positives Bild abgeben und den deutschen Fußball in Asien gut präsentieren. Hoffentlich geht es gut. Wir freuen uns sehr auf diese Reise. Sie ist ein weiterer Lernbaustein auf dem Weg zur Weltmeisterschaft.
Aufgezeichnet von Klaus Bergmann, dpa
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