Hamburg - Als der Hamburger SV am Ende einer turbulenten Bundesliga-Saison ausgelassen die Teilnahme am UI-Cup feierte, drohte die bisher heile Fußball-Welt bei Alemannia Aachen aus den Fugen zu geraten.
Mit seinem überraschenden Rücktritt machte Trainer Michael Frontzeck zum Abstieg noch eine weitere Baustelle am Tivoli auf. Ich bin traurig, weil ich sehr gerne mit der Mannschaft zusammengearbeitet habe, aber ich ziehe einen Schlussstrich, bevor sich die Gremien am Montag zusammensetzen, sagte Frontzeck nach der 0:4 (0:2)-Pleite beim HSV und griff den Aufsichtsrat der Alemannia scharf an: Einige Leute haben der sportlichen Leitung Knüppel zwischen die Beine geworfen. Das macht mich krank. Vor einer brutalen Zweitliga-Saison wolle er den Weg für einen unverbrauchten Trainer freimachen.
Der ehemalige Gladbacher, der Anfang September als Nachfolger von Dieter Hecking an den Tivoli gekommen war, wollte mit dem Entschluss seiner Entlassung zuvorkommen. Meine Person war vom ersten Tag an belastet, aber das ist mir erst später bewusst geworden, gestand Frontzeck und sprach dem Aufsichtsrat des Clubs jeglichen Sachverstand ab. Einige Personen hätten dem Verein sogar geschadet, die kommende Sitzung sei eine Farce. Den Entschluss, der nach dem 2:2 in der Vorwoche gegen Wolfsburg gereift war, teilte der 43-Jährige nach der Presse auch der bis dahin ahnungslosen Mannschaft mit.
Mit ganz anderen Gefühlen kämpfte HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann, für den Platz sieben und der UI-Cup das positive Ausrufezeichen nach einer desaströsen Saison sind. Und das ist gefühlt mehr als vor einem Jahr der dritte Platz, gab er freudig zu und kündigte an, sich richtig einen hinter die Birne zu kippen, um das letzte Jahr zu vergessen.
Neben den Doppeltorschützen Ivica Olic (15./27. Minute) und Juan Pablo Sorin (54./88.) stand auch beim HSV der Coach im Mittelpunkt. Das ist einzig und allein die Stunde von Huub Stevens heute, denn er hat die Mannschaft auf Platz 18 von Thomas Doll übernommen, zollte Hoffmann dem Niederländer Respekt. Neben der Abstiegsangst musste der 53-Jährige in den vergangen Monaten auch privat Belastungen wie die schwere Erkrankung seiner Frau bewältigen. Für mich ist das wie ein Wunder, das Huub Stevens vollbracht hat, betonte Horst Becker, Aufsichtsratsvorsitzender des HSV, der den Mentalitätswechsel im Team hervorhob.
Torhüter Frank Rost, der nach dem Wechsel im Winter sofort zur Führungsfigur wurde, forderte für die Zukunft: Wir haben uns reingewurschtelt ins internationale Geschäft, aber wenn wir es schaffen, dass alle Profis 34 Spieltage ihre persönlichen Belange hinten anstellen, können wir noch viel erreichen. Stevens frohlockte angesichts des internationalen Geschäfts und forderte mehr Alternativen im Kader, den der HSV eigentlich verkleinern will: Jetzt brauchen wir einige Leute mehr und vor allem Siegertypen, auch wenn die schwer zu finden sind. Bittere Abschiedstränen musste Publikumsliebling Mehdi Mahdavikia unterdrücken, den Stevens aussortiert hatte.
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