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China-Rückkehrer Albertz: Unglaubliche Korruption | 2004-12-23


Schanghai - Nach zwei Jahren beim Schanghaier Fußball-Club Shenhua ist der ehemalige HSV-Kapitän Jörg Albertz enttäuscht nach Deutschland zurückgekehrt. Nach dem Meisterschaftsgewinn in der ersten Saison und der Auszeichnung zum Fußballer des Jahres sah alles ganz rosig aus.

Im zweiten Jahr erlebte der Mönchengladbacher nicht nur vier Trainerwechsel, sondern auch hautnah die ausufernde Korruption im chinesischen Fußball. Das macht keinen Spaß mehr, wenn sich die Mitspieler auf einmal nicht mehr bewegen. Anfangs wusste ich gar nicht, warum, erzählt Albertz.

Bis auf Rang zehn von insgesamt 15 Clubs ist sein Team zuletzt durchgereicht worden. Ich weiß nicht, ob unser Club in meinem ersten Jahr auch Spiele gekauft hat. Das ist mir gar nicht aufgefallen, erzählt er. Erst nach und nach wurde ihm bewusst, dass hinter unerklärlichen Schiedsrichterentscheidungen und schlechten Leistungen der Fußballer System steckte.

Das Schlimme ist: Keiner kann etwas beweisen, berichtet Albertz. Die Skandale um Korruption, Spielabsprachen und Fußballwetten haben Chinas Liga in den vergangenen Monaten in die bislang schwerste Krise gestürzt. Der Ruf des Mönchengladbachers blieb unbeschädigt. Zu seinem Abschied bereiteten ihm 300 Anhänger eine rührende Abschiedsparty. Und zum Flughafen wurde er sogar von etlichen Fans mit Transparenten begleitet.

Nach der negativen Erfahrung in Fernost wartet der Rotschopf nun auf ein Angebot eines deutschen Vereins. Ich werde im Januar zwar 34 Jahre alt, aber eineinhalb bis zwei Jahre möchte ich noch spielen, betont der Mittelfeldakteur mit dem strammen Linksschuss. Offerten aus England und Schottland liegen vor, doch wegen des schlechten Gesundheitszustands seines Vaters und der eigenen Familienplanung will er in Deutschland leben. Nach insgesamt acht Jahren bei ausländischen Vereinen hat er sein Fernweh gestillt. Man muss auf dem Teppich bleiben, ich würde auch in der zweiten Liga spielen.

Am liebsten würde er gleich nach Weihnachten ins Trainingslager einer Mannschaft mitreisen, um seine Fitness zu beweisen. Ich hatte vor zwei Wochen mein letztes Spiel. Ich mache gern ein Probetraining, es soll doch keiner die Katze im Sack kaufen, schlägt Ali Albertz vor. Der frühere Leitwolf und angehende Nationalspieler des Hamburger SV, der 1996 für fünf Millionen Euro an die Glasgow Rangers abgegeben worden war und fünf Jahre später für fast den gleichen Betrag als teuerster Fehlkauf zurückgeholt wurde, möchte hinter seine beachtlichen Karriere noch einen Schlusspunkt setzen.


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