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Klinsmann: Die Reise hat sich enorm gelohnt | 2004-12-21


dpa: Die Nationalmannschaft hat den 5:1-Pflichtsieg gegen Thailand errungen. Trotzdem blicken Sie nicht besonders glücklich drein.

Jürgen Klinsmann: Doch, doch, ich bin glücklich. Klar hätten wir noch gerne mehr Tore gemacht, aber ich denke, so war es okay. Wir haben es versäumt, gleich am Anfang für klare Verhältnisse zu sorgen. Da trauert man den vergebenen Möglichkeiten nach. Man hat gesehen, dass es selbst gegen solch einen Gegner nicht einfach ist, 90 Minuten die Konzentration und das Tempo hochzuhalten.

dpa: Welche Bilanz ziehen Sie nach diesem strapaziösen Trip?

Klinsmann: Es hat sich enorm gelohnt, dass wir die Strapazen auf uns genommen haben. Für die Entwicklung der Gemeinschaft, aber auch für den sportlichen Bereich war die Reise sehr nützlich. Es war auch die beste Werbung für den deutschen Fußball in Asien. Wie die Mannschaft aufgetreten ist, vor allem auch außerhalb des Platzes, das prägt. Aber auch das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Mannschaft ist enorm gewachsen. Das lässt uns zuversichtlich nach 2005 schauen.

dpa: Sind Sie zufrieden, wo die Mannschaft fünf Monate nach ihrem Dienstantritt steht?

Klinsmann: Es war wichtig, dass wir gleich zu Beginn bei den Spielern ein Verständnis für unsere Denkweise entwickelt haben, die stimulierend und agierend wirkt. Das fordert die Spieler heraus. Die Etablierten haben gemerkt, dass hier ein Konkurrenzkampf stattfindet. Und sie haben gemerkt, dass sie auch mit 31 Jahren noch etwas lernen können. Wir haben viele jüngere Spieler getestet, doch bei der WM spielen die Besten - egal welchen Alters.

dpa: Wie sieht Ihr persönliches Fazit aus?

Klinsmann: Es waren aufregende und spannende Monate. Es war für uns vom Trainerstab eine enorme Lernphase und in allererster Linie ein Riesenspaß.

dpa: Es waren viele neue Gesichter mit in Asien. Wie beurteilen Sie deren Auftreten?

Klinsmann: Marco Engelhardt hat heute sehr gut gespielt. Es war auch schön zu sehen, wer am Ende einer solch stressigen Reise noch in der Lage ist, noch einmal 90 Minuten zu gehen. Bastian Schweinsteiger beispielsweise, der bei Bayern München selten durchspielt, hatte nach 70 Minuten einen Hänger, aber er hat sich durchgebissen.

dpa: Wer sind die Gewinner der Tour, gibt es Verlierer?

Klinsmann: Obwohl die Reise ein großer Schlauch war, haben sich alle Spieler bis zum Schluss ins Zeug gelegt. Das verdient ein Kompliment. Bevor ich auf die einzelnen Spieler eingehe, möchte ich mir die Spiele noch einmal im Fernsehen anschauen.

dpa: Was sagen Sie zu Lukas Podolski?

Klinsmann: Ich freue mich unheimlich für den Kerl, dass er erstmals in der Nationalmannschaft getroffen hat und gezeigt hat, was in ihm steckt. Er ist unheimlich akzeptiert in der Gemeinschaft. Er hat ein großes Potenzial und noch viel vor sich. Aber er weiß auch, dass er noch viel lernen muss. Vielleicht bekommt er durch die Tore noch einen Schub für 2005.

aufgezeichnet von Oliver Hartmann, dpa


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