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Chaos beim KSC: Fanz muss gehen | 2005-01-05


Karlsruhe - Der Hauptsponsor Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat den Machtkampf mit dem Karlsruher SC auf ganzer Linie gewonnen und beim Traditionsclub ein Chaos ausgelöst.

Nur sieben Tage nach seiner Verpflichtung wurde Trainer Reinhold Fanz beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten schon wieder beurlaubt. Doch damit nicht genug: Nur zehn Minuten nach der in einer gemeinsamen Presseerklärung dokumentierten Verständigung zog das Präsidium des badischen Traditionsclubs die Konsequenzen und erklärte geschlossen seinen Rücktritt. Aussichtsreichster Kandidat auf die Fanz-Nachfolge ist Krassimir Balakow. Der Bulgare war bei den Badenern bereits vor der Verpflichtung von Fanz als Wunschtrainer der EnBW im Gespräch.

Die beiden Vize-Präsidenten Michael Steidl und Rainer Schütterle werden ihr bisheriges Amt noch bis zu einer einzuberufenden außerordentlichen Mitgliederversammlung ausüben, teilte der Verein mit. Auch Präsident Hubert Raase wird für seinen Posten bis zur ordentlichen Mitgliederversammlung im September zur Verfügung stehen. Der bis 2007 unter Vertrag stehende KSC-Sportdirektor Rolf Dohmen steht nach den Angriffen aus der Konzernzentrale des Stromversorgers unter Druck. Alle Parteien verpassten sich jedoch einen Maulkorb und waren für eine Stellungnahme zunächst nicht verfügbar.

Die Berufung von Trainer Reinhold Fanz durch den KSC erfolgte auf der Grundlage unvollständiger Informationen, heißt es in der Presseerklärung. Hintergrund der Trainerposse ist ein sieben Jahre alter Streit zwischen dem EnBW-Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen und Reinhold Fanz. Der 50 Jahre alte Coach, der den entlassenen Lorenz-Günther Köstner ersetzen sollte, hatte dem Oxford-Absolventen während dessen zweimonatiger Präsidentschaft bei Hannover 96 jeglichen Fußballverstand abgesprochen, was dieser ihm gerichtlich untersagt hatte.

Bereits kurz nach seiner Vorstellung als neuen KSC-Trainer hatte die bis zum Jahr 2007 mit 800 000 jährlich im Verein engagierte EnBW Fanz öffentlich das sportliche und persönliche Format abgesprochen, den KSC nach vorne oder gar in die erste Liga zu bringen und mit der Einstellung ihrer Unterstützung gedroht. Claasen selbst hatte die Verpflichtung als Provokation des Vereins und Affront gegen seine Person gewertet.

Der Verein teilte mit, er werde umgehend auf die Suche nach einem neuen Trainer gehen. Auch auf dem Spielfeld werde es nun geeignete Verstärkung geben. Die Verpflichtungen sollen auf die hohen Erwartungen des Vereins, seiner Mitglieder, Anhänger, Freunde und Sponsoren Rücksicht nehmen. Das Training beim Tabellenvorletzten, der ein Trainingslager in Belek (Türkei) bezog, wird voraussichtlich Co-Trainer Ede Becker übernehmen.


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