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Tor verweigert: TV-Beweis in England gefordert | 2005-01-05


London - Ein nicht gegebenes Tor gegen den Titel-Mitfavoriten Manchester United hat im Fußball-Mutterland für Empörung gesorgt und den Ruf nach dem TV-Beweis erneut laut werden lassen.

Es war die eklatanteste Fehlentscheidung, die ich in 20 Jahren als Spieler und in zwei Jahren als Beobachter gesehen habe, kommentierte der irische Ex-Nationalspieler Niall Quinn die Szene in der 89. Minute, als Pedro Mendes Schuss zum vermeintlichen 1:0-Sieg der Tottenham Hotspurs rund einen Meter hinter der Linie im ManU-Tor landete. Das Schiedsrichter-Gespann aber ließ weiterspielen und sorgte dafür, dass United (44) in der Premier League nicht schon aussichtslos hinter Chelsea (55) und Arsenal (48) zurückfiel.

Zur Forderung nach dem Fernseh-Beweis passt, dass der Weltverband FIFA am 27. Februar beim englischen Ligacup-Finale in Cardiff einen Spielball mit eingebautem Chip testen will. Die Sportartikelfirma adidas wolle das neue Spielgerät in Kürze vorstellen, schrieb The Daily Mirror dazu. Wonach wir schauen, ist eine akzeptable Lösung, die Torlinie zu kontrollieren, ob der Ball drin war oder nicht, wird FIFA-Chef Joseph Blatter dazu zitiert.

Man konnte ganz klar erkennen, dass der Ball hinter der Linie war, keine Frage, gab selbst Manchesters Coach Alex Ferguson zu. Er sei bisher zwar gegen die Zuhilfenahme von Fernsehbildern gewesen, aber heutzutage dauert es nur noch 30 Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen. Es ist Zeit, eine neue Ära im Fußball zu beginnen und voranzukommen, denn die Technik ist da. Sein Tottenham-Kollege Martin Jol unterstützte die Forderung ausdrücklich, denn er fühlte sich um den Sieg gebracht und an das legendäre Wembley-Tor im WM-Finale 1966 zwischen England und Deutschland (4:2 n.V.) erinnert.

Damals ging es nur um wenige Zentimeter, aber das war fast ein ganzer Meter, meinte Jol zu dem Schuss, der Keeper Roy Carrol durch die Hände glitt und erst deutlich hinter der Linie wegbefördert wurde. Betrogen! Wütende, Spurs schreien, Schande, als der Referee dieses Tor nicht anerkennt, titelte The Sun in großen Lettern zur Entscheidung von Schiedsrichter Mark Clattenburg und seinem Gespann. The Daily Mirror nannte das nicht gegebene Tor eine der größten Fehlentscheidungen der Fußball-Geschichte und The Daily Telegraph befand: Ein Heuler des Schiedsrichters beraubt die Spurs.

Angesichts dieser hitzigen Debatte geriet der auf sieben Punkte angewachsene Vorsprung des FC Chelsea London vor Stadt-Rivale FC Arsenal fast zur Nebensache. Mann des Tages beim 2:0 über den FC Middlesbrough war Didier Drogba, der per Doppelschlag (15./17.) früh die Weichen auf Sieg für den seit 13 Runden unbesiegten Spitzenreiter stellte. Es war gut, Drogba von seiner besten Seite zu erleben, meinte Steve Clarke über den nun neunfachen Saison-Torschützen. Der Assistent von Trainer José Mourinho ergänzte: Vor Weihnachten hatten wir uns vier Siege aus vier Spielen zum Ziel gesetzt. Wir sind sehr froh, dass wir dieses Zwölf-Punkte-Vorhaben erfüllt haben.

Dagegen herrscht bei Arsenal nach dem nicht eingeplanten Verlust der zwei Punkte gegen Manchester City (1:1) Katzenjammer. Wir hatten Chancen über Chancen. Es tut mir leid für das Team, es hätte drei Punkte verdient gehabt, ärgerte sich Coach Arsene Wenger, der zum neunten Mal nacheinander Nationaltorwart Jens Lehmann auf der Bank schmoren ließ und erneut Manuel Almunia den Vorzug vor dem Deutschen gab. Der spanische Keeper war beim 0:1 durch Shaun Wright-Phillips (34.) chancenlos, der Schwede Freddie Ljungberg (75.) rettete spät wenigstens den Teilerfolg. Wenger will mit seinem Team zwar weiter kämpfen, meinte aber auch: Ich bin besorgter denn je über die Titelverteidigung, denn wir lagen bislang noch nie so weit hinten.


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