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2004 entscheidet über den Weg zur Fußball-WM | 2003-12-28


Berlin - Das Jahr 2004 wird für den deutschen Fußball Weichen stellen: Neuer Schwung oder Lähmung auf dem langen Weg zur Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land - vor allem bei der EM im Sommer in Portugal steht bereits viel auf dem Spiel. Denn hier bestreitet das DFB-Team als kommender WM-Gastgeber die letzten Pflicht-Länderspiele für die nächsten zwei Jahre.

Das wird 2004 sicher wieder etwas besser werden, zeigte sich Rudi Völler trotz der großteils ernüchternden Auftritte 2003 vor dem EM-Jahr optimistisch. Die Silberstreifen am Horizont sind jedoch eher dünn. Nicht nur das Völler-Team rutschte aus den Top Ten der Welt, die gesamte deutsche Kicker-Gemeinde trat im Jahr nach der Vize-Weltmeisterschaft höchstens auf der Stelle.

Die Nationalelf quälte sich durch die EM-Qualifikation - am Ende wenigstens erfolgreich. Nationen wie Spanien, Italien oder Frankreich blieben auch 2003 eine zu große Hürde - inzwischen stehen acht Niederlagen in Folge gegen die Großen zu Buche. Die europäischen Club-Entscheidungen gingen im Frühjahr ohne Bundesliga-Beteiligung über die Bühne, der UEFA-Cup ist schon wieder Bundesliga-freie Zone. Mit Oliver Kahn und Michael Ballack gelten nur noch zwei deutsche Profis als Weltklasse-Spieler.

Dass die letzten zwölf Monate nicht so gelaufen sind, wie ich mir das vorgestellt habe, ist doch klar. Natürlich muss man das auch kritisch sehen, räumte auch DFB-Teamchef Völler ein. Eine Tendenz aber will der 43-Jährige darin nicht erkennen. Wir haben die Qualifikation für die EM geschafft, was das Wichtigste war. Es war zwar ein bisschen holprig, aber wir haben uns durchgesetzt, ordnete Völler das Ticket zur EM-Endrunde vom 12. Juni bis 4. Juli in Portugal als entscheidend ein. Wir haben alle Möglichkeiten, davon bin ich überzeugt, ergänzte der Teamchef.

2003 hakte Völler als Umbruch-Jahr ab und betonte das - Erfreuliche. Mit Tobias Rau, Benjamin Lauth, Hanno Balitsch, Kevin Kuranyi und Andreas Hinkel stießen gleich fünf Youngster ins A-Team. Der VfB Stuttgart setzte seinen Weg mit hungrigen Jung-Profis erfolgreich fort bis ins Achtelfinale der Champions League. Wie sich der VfB als junge Mannschaft in der Gruppe durchgesetzt hat, das ist sehr, sehr stark, hob Völler hervor.

In der Bundesliga zeige sich neben Bayern München auch Werder Bremen und Bayer Leverkusen wieder erstarkt, so der Teamchef. Zudem schaffte die U 21-Nationalelf den Sprung zur EM-Endrunde (27. Mai bis 8. Juni 2004 in Deutschland) und erhielt sich damit die Chance auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen. Auch für DFB- Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder waren vor allem die Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte mit dem WM-Triumph der deutschen Frauen Grund für eine positive Bilanz.

All dies aber reicht lange nicht, um wieder im Hauptprogramm der großen Fußball-Länder mitspielen zu können. Ich weiß, dass viele Spieler nicht das gebracht haben, was sie können, bilanzierte Völler. Und gerade das klare 0:3 zum Länderspiel-Abschluss gegen Frankreich habe wieder ein paar Zweifel geweckt, auch in der Mannschaft, meinte der Teamchef, unterstrich aber: Wir sind nicht so schlecht, wie wir gegen die Franzosen gespielt haben. Genau wie wir nicht so gut sind, wie wir nach der WM 2002 gemacht wurden.

Völler weiß, dass Deutschland die EM nur dann positiv beenden kann, wenn ähnlich wie in Asien vor zwei Jahren alles stimmt: Für mich ist wichtig, dass viele angeschlagene und längerfristig verletzte Spieler peu a peu wieder zurückkehren. Damit wir dann bei der EM auch qualitativ wieder aus dem Vollen schöpfen können. Dietmar Hamann, Torsten Frings, Christoph Metzelder und Sebastian Deisler könnten die Qualität erhöhen. Die Jungen werden sich nicht so einfach wegdrücken lassen, meinte Völler. Es ist auch wichtig, dass sich die Mannschaft nicht mehr von selbst aufstellt, hofft auch Vorzeigespieler Ballack auf mehr Konkurrenzkampf im DFB-Team.

Bayern München und der VfB Stuttgart könnten im Achtelfinale der Champions League gegen Real Madrid und Chelsea London zeitig ein Zeichen setzten, von dem der deutsche Fußball 2004 profitieren würde. Das sind zwei harte Lose. Aber in zwei Spielen ist vieles möglich, so Völler, der auch 2004 wieder gegen viele Widrigkeiten kämpfen wird. Ein hoher Ausländeranteil in der Bundesliga, zu wenig Chancen für Talente, Egoismen bei einigen Vereinen, der Druck der Medien, zu viel Geld für international eher durchschnittliche Profis - die Probleme sind bekannt. Wir wollen uns alle etwas beweisen, betonte Völler, merkte aber auch an: Wir müssen uns verbessern, sonst haben wir bei der EM keine Chance.


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