München/Györ - Die Ära Ottmar Hitzfelds beim FC Bayern München ist höchstwahrscheinlich am letzten Spieltag der laufenden Saison beendet - doch sein Kapitän findet den Umgang mit dem Erfolgtrainer alles andere als passend.
Ich denke, es wäre klüger gewesen, zu einem früheren Zeitpunkt klar Schiff zu machen, sagte der Fußball-Nationaltorhüter bei einem Werbe-Termin in München und kritisierte die unklare Informationspolitik der Clubführung in der Trainerfrage. Nach Medien-Informationen soll Hitzfeld im Endspiel um die direkte Champions-League-Qualifikation gegen den SC Freiburg zum letzten Mal bei einem Bundesliga-Spiel als Trainer auf der Bayern-Bank sitzen.
Manager Uli Hoeneß soll den 55 Jahre alten Fußball-Lehrer nach Informationen der Bild-Zeitung mittlerweile über die angeblich in den Führungsgremien des Vereins schon länger beschlossene Trennung zum Saisonende unterrichtet haben. Hitzfeld, dessen Vertrag beim Rekordmeister erst am 30. Juni 2005 endet, soll angeblich eine Abfindung von rund 4,5 Millionen Euro erhalten. Neuer Bayern-Trainer soll der Stuttgarter Team-Manager Felix Magath werden. Hitzfeld ist seit 1998 Trainer in München. In sechs erfolgreichen Jahren holte er mit den Bayern den Weltpokal (2001), die Champions League (2001), vier Meistertitel sowie zwei Mal den DFB-Pokal.
Derweil reisten die Bayern zu einem Freundschaftsspiel beim ungarischen Club FC ETO Györ. Vor der Abreise war von den Verantwortlichen keine Stellungnahme zu erhalten. Es gibt nichts zu sagen, so Sprecher Markus Hörwick auf dpa-Anfrage.
Oliver Kahn zollte seinem Trainer für dessen Verhalten höchstes Lob. Er reagiert auch hier mit unglaublich viel Charakter, mit sehr viel Stil, sagte der Kapitän bei einem Termin, bei dem er seine neue Werbe-Kooperation mit einem Fast-Food-Konzern (Burger King) vorstellte. Ottmar Hitzfeld ist absoluter Profi. Er kann mit der jetzigen Situation umgehen. Er weiß, was auf ihn zukommt. Von Hitzfeld könne man lernen, was es bedeutet, Charakter und Stil zu zeigen. Und was es bedeutet, in so einer Situation immer souverän zu bleiben. Ich denke, das hat absoluten Vorbildcharakter.
Offenbar wurden die Bayern-Spieler in den vergangenen Tagen ebenso im Unklaren gelassen wie die Öffentlichkeit. Das sind alles Dinge, die sich auf Präsidiums- und Management-Ebene abspielen. Da haben wir Spieler keinen Einblick. Wir müssen schauen, dass wir uns auf den sportlichen Bereich konzentrieren, meinte Kahn. Er gab aber auch zu, dass das Hick-Hack die Profis auch belastet hat. Spekulationen um den Trainer sind für eine Mannschaft immer unglücklich, ganz klar, sagte Kahn, der dies dennoch nicht als Ausrede gelten lassen wollte: Eines ist auch klar: Ich will jetzt hier nicht sagen, dass die Turbulenzen um den Trainer herum für uns jetzt das Alibi darstellen für unsere nicht so gute Saison. Das will ich weit von mir weisen.
Kahn appellierte an die Mannschaft, die Saison gegen Freiburg versöhnlich zu beenden. Die Münchner müssen Platz zwei in der Bundesliga sichern, um wenigstens das Minimalziel Champions-League-Qualifikation zu erreichen. Für Ottmar Hitzfeld ist das Wichtigste das Spiel am Samstag. Das hat er auch der Mannschaft gesagt, erklärte Kahn: Es ist für uns alle enorm wichtig.
Auch Michael Ballack hatte die Kollegen im Bayerischen Fernsehen im Interesse Hitzfelds zu einem besseren Auftreten als zuletzt aufgefordert. Jeder einzelne Spieler ist es ihm schuldig, dass er sich am Wochenende nochmal voll reinhaut, sagte der Nationalspieler. Die meisten haben große Erfolge mit Ottmar Hitzfeld gehabt. Da gehört es sich, in so einer Situation für den Trainer zu spielen.
Laut Ballack habe der Coach trotz der Diskussionen um seine Zukunft innerhalb der Mannschaft nicht an Autorität verloren. Man muss den Hut vor ihm ziehen, wie er die Situation wegsteckt. Ähnlich äußerte sich auch Hitzfelds designierter Nachfolger Magath: Ich bewundere Ottmar Hitzfeld, wie er mit dieser Situation umgeht. Dem gebührt höchster Respekt.
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