Mönchengladbach - Nach dem erwarteten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga steht der TSV 1860 München vor einer ungewissen Zukunft. Das ist die bitterste Stunde für den Verein und mich persönlich.
Aber unser oberstes Ziel kann nur der Wiederaufstieg sein, sagte Präsident Karl Auer nach der 1:3 (1:2)-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach im letzten Bundesliga-Spiel am Bökelberg. Während die Borussen-Fans unter den 34 500 Besuchern ein großartiges Abschiedsfest feierten, kämpfte der Löwen-Boss nach dem Schlusspunkt unter einen unaufhaltsamen Niedergang mit den Tränen.
Wer die Münchner in der 2. Liga trainiert, ob im Stadion an der Grünwalder Straße gespielt wird und wie das neue Team aussieht, ist bei den 60ern nach zehn Jahren in der 1. Liga weiter völlig offen. Nur der Abschied von Stürmerstar Benjamin Lauth gilt als beschlossene Sache, denn nur durch Transfer-Erlöse kann die Lizenz für die 2. Liga gesichert werden. Lokalrivale FC Bayern München und Bayer Leverkusen haben schon die Fühler nach dem Nationalspieler ausgestreckt.
Ich bin im Moment nicht in der Lage, darüber zu sprechen, meinte Gerald Vanenburg auf die Frage, ob er Trainer bleibe. Geschäftsführer Detlef Romeiko verriet, dass es verschiedene Überlegungen gebe: Vanenburg ist mit vorne dabei. Doch ein Treubekenntnis hört sich sicher anders an. Als Ersatz-Kandidat für den mit seiner Kurzmission gescheiterten Coach gilt vor allem Rudi Bommer (Wacker Burghausen).
Auch unter der Leitung des seit fünf Spielen tätigen Vanenburg, der zudem noch als Juniorencoach beim PSV Eindhoven unter Vertrag steht, war bei den Löwen gerade in Auswärtsspielen kein wirkliches Aufbäumen gegen den vierten Bundesliga-Abstieg zu erkennen. Bei uns ist die ganze Saison sehr viel schief gelaufen, gab der in Gladbach nicht für die Startelf nominierte Torhüter Michael Hofmann zu. Der Bestechungsskandal um das neue Münchner Stadion und die peinlichen Querelen im Vorstand nach dem Ende der Wildmoser-Ära ließen den Verein nicht zur nötigen Ruhe kommen.
Dabei hatten die Gäste nach der Führung durch Torben Hoffmanns Foulelfmeter (21.) sogar kurz noch Hoffnung, ehe Vaclav Sverkos (23.), Igor Demo (35.) und der scheidende Stürmer Arie van Lent (74.) mit dem letzten Bundesliga-Treffer am Bökelberg den K.o. für 1860 besiegelten. Aber der Verein lebt weiter. Das schöne am Fußball ist, dass man so etwas reparieren kann, meinte der wie viele seiner Kollegen umworbene Paul Agostino. Ich warte seit dem Winter auf ein Gespräch über meine Zukunft. Da macht man sich schon Gedanken, meinte Verteidiger Martin Stranzl.
Den Gladbachern winkt hingegen nach einer schwierigen Saison und dem rauschenden Abschlussfest vom Bökelberg eine rosige Zukunft. Neben der Freude auf das neue Stadion, das in gut zwei Monaten eröffnet wird, landeten die Borussen auch noch einen Transfercoup. Nach dem bereits verpflichteten Abwehr-Routinier Milan Fukal (Hamburger SV) hat auch der Leverkusener Nationalspieler Oliver Neuville einen Vertrag bei Borussia unterschrieben. Wir wollen im Sommer eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine stellen, um dann noch einen Schritt besser zu werden, sagte Trainer Holger Fach.
Mit dem Erreichen des elften Platzes hat der Borussen-Coach das beste Ergebnis seit dem Wiederaufstieg erzielt. Für mich ist das eine Genugtuung nach all den Kommentaren und Beleidigungen zu meinem Amtsantritt, meinte Fach. Mit der schönsten Geste des Trainers wurde dann an einem historischen Tag Ur-Borusse Uwe Kamps belohnt. Der 39 Jahre alte Gladbacher Torwarttrainer, seit 22 Jahren im Club, durfte erstmals nach sechs Jahren noch einmal die letzten zehn Minuten ins Tor und absolvierte somit sein 390. Bundesliga-Spiel. Das war einfach herrlich, freute sich der umjubelte Publikumsliebling.
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