Mönchengladbach - Nach dem erwarteten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga steht der TSV 1860 München vor einer ungewissen Zukunft und muss sich für die erhoffte Rückkehr ins Oberhaus einen neuen Trainer suchen.
Einen Tag nach dem durch das 1:3 (1:2) bei Borussia Mönchengladbach besiegelten Absturz in die Zweitklassigkeit erklärte Trainer Gerald Vanenburg gegenüber Präsident Karl Auer seinen Rücktritt. Ich möchte meine Trainer A-Lizenz in Holland machen, dies wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Für den Verein ist jetzt aber wichtig, mit einem Trainer zusammenzuarbeiten, der rund um die Uhr für die Mannschaft da ist, sagte der Niederländer.
Auer hatte schon im schwersten Moment nach zehn Jahren Bundesliga trotzig das neue Ziel vorgegeben. Das ist die bitterste Stunde für den Verein und mich persönlich. Aber unser oberstes Ziel kann nur der Wiederaufstieg sein, sagte der Vereinschef nach dem letzten Bundesliga-Spiel am Bökelberg. Während die Borussen-Fans unter den 34 500 Besuchern ein großartiges Abschiedsfest von ihrer Spielstätte feierten, musste der Löwen-Boss nach dem Schlusspunkt unter einen unaufhaltsamen Niedergang mit den Tränen kämpfen.
Wer die Münchner in der 2. Liga trainiert, ist nach dem Abschied Vanenburgs weiter offen. Von Vereinsseite gab es vorerst kein Statement. Als Wunschkandidat gilt Rudi Bommer, der noch beim künftigen Zweitliga-Konkurrenten Wacker Burghausen unter Vertrag steht. Vanenburg hatte bei den Löwen am 19. April die Nachfolge des entlassenen Falko Götz angetreten. Der einstige Profi war allerdings in fünf Partien ohne Sieg geblieben und hatte den vierten Bundesliga der Vereinsgeschichte nicht verhindern können. Zuletzt hatte der Europameister von 1988 seinen Verbleib von der Verpflichtung mehrere neue Spieler abhängig gemacht. Vanenburg dürfte wohl zum PSV Eindhoven zurückkehren, wo er vor seiner gescheiterten Münchner Kurzzeitmission als Jugendcoach beschäftigt war.
Auch neben der Trainerfrage gibt es bei 1860 viele Fragezeichen. Ob der deutsche Meister von 1966 für seine Heimspiele wie von vielen Fans gefordert ins Stadion an der Grünwalder Straße zurückkehrt wird und wie das neue Team aussieht, ist völlig offen. Nur der Abschied von Stürmerstar Benjamin Lauth gilt als beschlossene Sache, denn nur durch Transfer-Erlöse kann überhaupt die Lizenz für die 2. Liga gesichert werden. Lokalrivale FC Bayern München und Bayer Leverkusen haben schon die Fühler nach dem Nationalspieler ausgestreckt.
Bei uns ist die ganze Saison sehr viel schief gelaufen, gab der in Gladbach nicht für die Startelf nominierte Torhüter Michael Hofmann zu. Der Bestechungsskandal um das neue Münchner Stadion und die peinlichen Querelen im Vorstand nach dem Ende der Wildmoser-Ära ließen den Verein nicht zur nötigen Ruhe kommen.
Dabei hatten die Gäste nach der Führung durch Torben Hoffmanns Foulelfmeter (21.) sogar kurz noch Hoffnung, ehe Vaclav Sverkos (23.), Igor Demo (35.) und der scheidende Stürmer Arie van Lent (74.) mit dem letzten Bundesliga-Treffer am Bökelberg den K.o. für 1860 besiegelten. Aber der Verein lebt weiter. Das schöne am Fußball ist, dass man so etwas reparieren kann, meinte der wie viele seiner Kollegen umworbene Paul Agostino. Ich warte seit dem Winter auf ein Gespräch über meine Zukunft. Da macht man sich schon Gedanken, meinte Verteidiger Martin Stranzl.
Den Gladbachern winkt hingegen nach einer schwierigen Saison und dem rauschenden Abschlussfest vom Bökelberg eine rosige Zukunft. Neben der Freude auf das neue Stadion, das in gut zwei Monaten eröffnet wird, landeten die Borussen auch noch einen Transfercoup. Nach dem bereits verpflichteten Abwehr-Routinier Milan Fukal (Hamburger SV) hat auch der Leverkusener Nationalspieler Oliver Neuville einen Vertrag bei Borussia unterschrieben. Wir wollen im Sommer eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine stellen, um dann noch einen Schritt besser zu werden, sagte Trainer Holger Fach.
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