Madrid - Ausgerechnet Erzfeind Luis Figo hat dem FC Barcelona im Derby beim großen Rivalen Real Madrid unfreiwillig zum 2:1-Sieg verholfen. Der Portugiese ist seit seinem Wechsel von Barça nach Madrid der meistgehasste Fußballer bei den Katalanen.
Im Schlagerspiel gegen den FC Barcelona erwies der Real-Star seinem Ex-Verein jedoch einen großen Gefallen. Figo handelte sich mit einer Unbeherrschtheit eine Gelb-Rote Karte ein und setzte damit bei den bis dahin hoffnungslos unterlegenen Katalanen neue Kräfte frei.
Real Madrid dagegen, das lange Zeit wie der sichere Sieger ausgesehen hatte, fügte sich in sein Schicksal und hätte noch höher verlieren können. Figos Feldverweis wirkte sich für Real so aus, als hätte jemand den Stöpsel aus der Badewanne gezogen, meinte das Sportblatt As. Die Madrilenen versanken durch den Abfluss in einem Strudel von Ermüdung und Chaos.
Dabei hatten die Königlichen dem Erzrivalen vor 76 000 Zuschauern im Bernabéu-Stadion zeigen wollen, dass sie noch immer die Herren im spanischen Fußball sind. Vor der Pause spielten sie reihenweise Torchancen heraus, scheiterten aber am glänzend aufgelegten Barça-Torwart. Victor Valdés hielt Bälle, die eigentlich unhaltbar waren, lobte Trainer Frank Rijkaard seinen Keeper.
Reals bestem Spieler Santiago Solari gelang in der 53. Minute zwar das 1:0. Auch als der eingewechselte Patrick Kluivert (57.), den man eigentlich schon auf dem Abstellgleis wähnte, den Ausgleich erzielte, zweifelte kaum jemand an einem Sieg Reals. Aber dann folgte die Schlüsselszene. Der bereits wegen Meckerns verwarnte Figo fuhr Carles Puyol mit gestrecktem Bein so heftig in die Parade, dass der Barça- Verteidiger für den Rest der Saison verletzt ausfällt.
Der Platzverweis des Portugiesen war spielentscheidend. Figo ist seit Wochen Reals einziger Superstar, der konstant gute Leistungen zeigt. Ronaldo ist verletzt, Zinedine Zidane wirkt kraft- und ideenlos, David Beckham reibt sich in Zweikämpfen auf. Bei Barça erwachte nun plötzlich die Magie Ronaldinhos. Der Brasilianer lupfte den Ball mit dem Fußgelenk in den Real-Strafraum, wo Xavi (85.) das Leder direkt zum 2:1-Siegtor über Torwart Iker Casillas hinwegbugsierte - Fußballkunst in Reinform!
Die Madrilenen sind praktisch tot, meinte der Kolumnist Julián Ruiz im Sportblatt Marca. Es wäre überraschend, wenn sie im Titelkampf noch eine Rolle spielen. Ganz so schlecht sieht es für Real allerdings nicht aus. Der Tabellenführer FC Valencia (71 Punkte) hat nach einem 1:1 bei Athletic Bilbao nur einen Punkt mehr auf dem Konto als Real (70). Allerdings gehört nun auch der seit 16 Spielen ungeschlagene FC Barcelona (66) wieder zu den Titelanwärtern.
In der Primera División herrscht ein spannender Dreikampf. Den Gewinner dürfte nicht einmal Spaniens neuer Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero kennen, obwohl dieser sich als echter Tipp-Experte erwies: Der Barça-Fan hatte den Sieg seines Lieblingsvereins in Madrid richtig vorhergesagt.
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