Düsseldorf - Werder Bremen im Meisterrausch, Bayern München in Rage. Das 6:0-Schützenfest der Hanseaten gegen den Hamburger SV bot eine Woche vor dem vielleicht entscheidenden Gipfeltreffen zwischen Tabellenführer und Titelverteidiger Zündstoff.
Das ist eine wahnsinnige Sauerei, dass man in so einer Phase sechs Stück kriegt, wetterte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Wir geben den Kampf um den Titel nicht auf, aber es konnte kein Mensch damit rechnen, dass sich der HSV so abschlachten lässt, meinte Hoeneß. Mit einem 2:1 besiegelte der FC Bayern den dritten Abstieg des 1. FC Köln innerhalb von sechs Jahren und wahrte die Chance, die Bremer noch von Platz 1 zu stürzen.
Im Kampf um die Champions-League-Teilnahme hat der VfB Stuttgart seinen Vorsprung auf Verfolger Leverkusen gehalten, mit dem 1:1 (1:0) gegen den VfL Bochum aber denn zweiten Platz aus den Augen verloren. Cacau hatte die Schwaben zunächst in Führung gebracht, ehe ein Eigentor von Marcelo Bordon den Bochumern zum Punktgewinn verhalf. Der FC Schalke 04 wahrte seine theoretische UEFA-Cup-Chance. Beim 3:0-Erfolg gegen die von Abstiegsnöten geplagte Herta BSC trafen Hamit Altintop, Jörg Böhme per Elfmeter und Ebbe Sand. Die Berliner verloren Marko Rehmer und Malik Fahti nach der Pause innerhalb von einer Minute durch Platzverweise.
Werders Sportdirektor Klaus Allofs parierte die Drohung aus München (Hoeneß: Wir müssen sie wegfegen) angesichts des Sechs-Punkte-Vorsprungs und einer Tordifferenz von 12 Treffern plus gelassen: Er hat einen Wunsch geäußert. Doch wir sind seit 22 Spielen ungeschlagen und werden in München gewinnen. Zudem wies er den indirekten Vorwurf der Schieberei zurück. Der HSV hat alles versucht, sagte Allofs. Für DFB-Teamchef Rudi Völler ist Bremen kaum noch vom Titelweg zu verdrängen. Die Bayern müssen gewinnen, doch selbst bei einem Unentschieden müssten die Bremer durch sein, meinte er im ZDF-Sportstudio.
Auf gutem Weg in das internationale Geschäft ist Borussia Dortmund, das mit dem 4:1 über Hansa Rostock wichtige Punkte im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz holte. Im Mittelpunkt stand dabei BVB-Star Torsten Frings, der mit unbedachten Äußerungen Spekulationen über einen möglichen Wechsel nach München nährte: Wenn Dortmund mich verkaufen muss, dann möchte ich zum FC Bayern. Keine Diskussionen über die Fortsetzung seiner Bundesliga-Karriere will dagegen Rostocks Torjäger Martin Max, der mit nun 19 Treffern erfolgreichster deutscher Stürmer ist. Ich denke, ich bleibe dabei, sagte der 36-jährige müde gewordene Profi, der Ende der Saison aussteigen will.
Nach dem definitiven Abstieg der Kölner müssen drei Spieltage vor dem Saisonende noch sieben Teams um den Klassenverbleib fürchten. Erster Anwärter ist der Tabellenvorletzte Eintracht Frankfurt, der eine 0:1-Pleite beim VfL Wolfsburg erlitt. Noch ist alles möglich, glaubt Trainer Willi Reimann dennoch. Vorentscheidend für die Hessen könnte das Spiel bei Hannover 96 sein, das durch eine 1:4-Pleite beim SC Freiburg selbst in akuter Not ist. Jemand hält uns die Pistole an die Schläfe. Wenn wir nicht aufpassen, drücken wir noch selber ab, fürchtet 96-Torjäger Thomas Brdaric. Dagegen sind die Freiburger nach diesem Erfolg fast aus dem Schneider. Zu diesem Zeitpunkt zählen die drei Punkte doppelt, freute sich SC-Trainer Volker Finke.
1860 München hat mit einem 1:1 gegen den zuletzt hoch gelobten Tabellenvierten Bayer Leverkusen nach zuletzt vier Niederlagen den freien Fall gestoppt. Ein Befreiungsschlag war es für den Tabellen-16. aber keineswegs. Die Situation hat sich verbessert. Ich habe kein schlechtes Gefühl, sagte der neue Löwen-Coach Gerald Vanenburg nach seinem zweiten Spiel auf der Münchner Bank. Für 1860-Präsident Karl Auer ist die Rechnung nun ganz einfach: Wir müssen noch sechs Punkte holen, dann bleiben wir drin, hundertprozentig.
Die nackte Angst hat indessen den 1. FC Kaiserslautern nach dem 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach befallen. Ich bin enttäuscht und frustriert, sagte der Vorstandsvorsitzende René C. Jäggi mit einem Anflug von Verzweiflung. Schließlich schaffte Igor Demo erst in der Nachspielzeit den für Gladbach ebenso existenziellen Ausgleich. Während sich die sieben Teams im Tabellenkeller noch gegen das sportliche Abrutschen stemmen, schmieden die Verantwortlichen beim 1. FC Köln schon wieder Pläne für die Rückkehr. Manager Andreas Rettig: Wir wollen und werden wieder aufsteigen, da lege ich mich fest.
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