Frankfurt/Main - Zehn Jahre nach seinem bitteren Abschied von Eintracht Frankfurt kann Klaus Toppmöller süße Rache nehmen. Schon ein Remis bei Toppis Hamburger SV zum Kehraus der Bundesliga bedeutet für die Eintracht den dritten Abstieg aus dem Oberhaus nach 1996 und 2001.
Zudem wäre der Nimbus seines Kollegen und des ehemaligen HSV-Spielers und -Trainers Willi Reimann gebrochen. Denn der 54-Jährige ist in seiner Karriere als Coach, die beim HSV begann, bislang noch nie abgestiegen.
Mit einem Unentschieden oder gar einem Sieg des HSV könnte Toppmöller einen weiteren, für ihn schönen Nebeneffekt erzielen und seinem Herzensverein 1. FC Kaiserslautern wertvolle Schützenhilfe leisten. Die Pfälzer benötigen einen Punkt im Heimspiel gegen den UEFA-Cup-Aspiranten Borussia Dortmund. Verlieren die Roten Teufel, für die Toppmöller in 204 Bundesligaspielen 108 Tore machte, droht der zweite Abstieg nach 1996. Voraussetzung dafür wäre ein Frankfurter Sieg.
Toppmöllers Trainer-Intermezzo bei der Eintracht hatte nur rund zehn Monate gedauert. Im Juli 1993 übernahm er den Hessen-Club und stellte gleich einen Liga-Startrekord von 20:2 Zählern auf. Mit markigen Sprüchen wie bye, bye, Bayern und merkwürdigen Motivationsmethoden (lebender Steinadler in der Kabine) machte er von sich reden. Aber nicht lange - zumindest bei der Eintracht, die Toppmöller am 10. April 1994 wieder beurlaubte.
Wenn man das Stadion sieht, das entsteht, sehnt man sich nach der Mannschaft zurück, die hier gespielt hat, meinte Toppmöller in Erinnerung auch an seine kurze Ägide, in der die Hessen mit Andreas Möller, Uwe Bein und Anthony Yeboah den so genannten Fußball 2000 zelebrierten. Das war Fußball pur, Technik vom Allerfeinsten.
Bereits nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel - Frankfurt ging anschließend als abgeschlagenes und auch abgeschriebenes Schlusslicht in die Winterpause - war dem Frankfurter Ex-Coach die Genugtuung deutlich anzumerken. Auch, weil sein Filius Dino sich nicht bei der Eintracht durchsetzen konnte und vor der Saison von Trainer Willi Reimann ausgemustert worden war. Dino Toppmöller spielt mittlerweile beim sächsischen Zweitligisten Erzgebirge Aue.
Vor dem Showdown stehen die Vorzeichen auf Sieg der Gastgeber. In den vergangenen 14 Heimspielen kassierten die Hamburger nur eine Niederlage. Im Gegensatz dazu verloren die Hessen die letzten sechs Spiele auf fremdem Feld. Setzt sich die Serie fort, steigt Reimann ausgerechnet beim HSV ab, für den er 175 Bundesligaspiele in den 70er Jahren bestritt und den der 54-Jährige von 1987 bis 1990 trainierte. Für Sentimentalitäten ist aber kein Platz.
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