Athen - Herbert Fandel bleibt für den AC Mailand der große Glücksbringer. Im Champions-League-Endspiel leitete der deutsche Spitzen-Schiedsrichter aus Kyllburg zum sechsten Mal eine Partie im Fußball-Europapokal mit Beteiligung der Rossoneri.
Und Milan ging beim 2:1 über den FC Liverpool zum sechsten Mal als Sieger vom Platz. Das ist ja lustig. Es hat aber überhaupt keine Bedeutung. Für so etwas interessiere ich mich gar nicht, kommentierte der Unparteiische die Statistik mit einem lauten Lachen. Lob bekam der einzige Deutsche in der finalen Partie der Fußball-Königsklasse in Athen von Kaiser Franz Beckenbauer: Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Das Spiel war nicht leicht zu leiten.
Fandel war über seine Leistung ebenfalls glücklich. Ich muss wirklich sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Es ist eine große Ehre, aber auch eine ungeheure Verantwortung, so ein Spiel zu leiten, sagte der 43-Jährige der dpa. Es war immer mein Traum, das Finale der Champions League zu leiten. Es war ein einzigartiges Erlebnis, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde, erklärte der FIFA-Referee vor seinem Rückflug nach Deutschland. Sieger-Coach Carlo Ancelotti reagierte auf Fandels vermeintliche Funktion als Glücksbringer ebenfalls mit einem Schmunzeln. Ist das so? Dann muss er ein Guter sein, ließ der sichtlich verblüffte Milan-Trainer lächelnd den AC-Pressechef übersetzen.
Bei den Verlierern kam Fandel - was kaum überrascht - weniger gut weg. Völlig zu Recht wollte Trainer Rafael Benitez die Schiedsrichterleistung zwar nicht als Ausrede für die Niederlage anführen. Doch direkt nach Spielende deutete der spanische Reds-Coach ständig auf die Uhr - Fandel hatte ihm nicht lange genug nachspielen lassen. 2:45 Minuten und 51/100 Sekunden, sagte er in einem Anflug von Sarkasmus. Angezeigt waren drei Minuten, was allerdings im Ermessen des Referees liegt. Außerdem war ich über zwei, drei Dinge enttäuscht, die jeder gesehen hat, ergänzte Benitez, ohne jedoch zu bestätigen, dass dies auf den deutschen Schiedsrichter gemünzt war.
Der wollte die Kritik der Reds nicht groß kommentieren. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass Herr Benitez auf mich zugekommen ist, sagte er. Fandel hatte seine einzige etwas umstrittene Szene vor dem Führungstor, als er nach einer leichten Attacke gegen Kaka auf Freistoß entschied. Pirlo schoss und Inzaghi lenkte den Ball zum vorentscheidenden 1:0 ins Netz. Ansonsten leitete der Kyllburger großzügig, zeigte erst in der 41. Minute gegen das zuvor zwei Mal ermahnte Raubein Gattuso die erste Gelbe Karte, der drei weitere folgten.
Ich bin inzwischen so erfahren, dass ich das Spiel erst auf mich habe zukommen lassen. Vornehmen kann man sich so etwas aber nicht. Auf dem Niveau ist für einen Schiedsrichter nichts planbar, sagte der Referee, der konsequent und souverän wirkte - und vor allem keinen spielentscheidenden Fehler machte. Der Leiter einer Musikschule und Freizeit-Pianist, der sein erstes Spiel mit zwölf leitete, setzte eine deutsche Tradition fort: Der zweifache Familienvater pfiff nach Markus Merk (2003 - Sieger: der AC Mailand) als zweiter DFB-Referee ein Champions-League-Finale.
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