Madrid - Bei Real Madrid wurde Fernando Morientes ausgemustert, weil er nicht zu den galaktischen Superstars gehörte. Aber ausgerechnet der verstoßene Torjäger erreichte als einziger Madrilene das Finale der Champions League.
Die großen Asse wie Ronaldo, David Beckham oder Zinedine Zidane dagegen müssen sich das Finale zwischen Morientes-Club AS Monaco und dem FC Porto im Fernsehen anschauen. Sie werden vermutlich vor Neid erblassen, wenn ihr Ex-Teamkamerad in der Gelsenkirchener Arena AufSchalke für Monaco auf Torejagd geht.
Die Fans im Kleinstaat an der Côte dAzur feiern den 28-jährigen Torjäger als ihren Fußball-Fürsten, denn Morientes schoss den Außenseiter ins Endspiel. Mit seinen neun Treffern stellte er nicht nur Ronaldo, Ruud van Nistelrooy oder Thierry Henry in den Schatten, sondern er ist auch erster Anwärter auf die Torjägerkrone in der europäischen Eliteliga. Und bei einem Sieg von Monaco im Finale würde Morientes als erster Spieler in die Fußball-Geschichte eingehen, der die Champions League in ihrer modernen Version vier Mal gewann.
Mit Real hatte er den Europacup im Zwei-Jahres-Takt geholt: 1998, 2000 und 2002. Die Königlichen stellten ihn aber aufs Abstellgleis, da Morientes nicht in das Schema der Zidanes und Pavones passte: Er ist weder ein Superstar wie Zidane noch ein Nachwuchstalent wie Pavón. Real bot Morientes als Wechselgeld beim Ronaldo-Transfer an. Aber alle Versuche, den Stürmer loszuwerden, scheiterten. Schließlich schoben die Madrilenen ihn als Leihgabe zum AS Monaco ab.
Ausgerechnet der Verstoßene besiegelte im Viertelfinale mit seinem Tor zu Monacos 3:1-Rückspielsieg das Aus für Real. Ironie des Schicksals: Die Königlichen zahlen noch immer etwa die Hälfte des Gehalts von Morientes, das auf mehr als drei Millionen Euro im Jahr beziffert wird. In Monaco stieg der Spanier zum Star auf. Trainer Didier Deschamps fragt ihn zuweilen sogar danach, mit welchem Mitspieler er denn gerne stürmen möchte.
Ich habe selbst nicht damit gerechnet, dass es in Monaco so gut klappen würde, sagt der Torjäger. Mehr kann ich vom Leben nicht verlangen. Morientes ist weder ein Brecher im Angriffszentrum noch ein Abstauber. Er ist vielmehr ein spielender Mittelstürmer, der auf die Flügel ausweicht, dribbel- und kopfballstark ist. In Monaco rückte er zuletzt sogar ins offensive Mittelfeld zurück, was ihn noch torgefährlicher machte. Er ist mehr eine 10 als eine 9, schreibt das Fachblatt Sport.
Für Real Madrid hat der späte Triumph des Ausgemusterten auch eine gute Seite. Nun reißen sich plötzlich die großen Clubs um den Stürmer, den vor kurzem niemand haben wollte. Juventus Turin, der AS Rom, Arsenal London und der FC Chelsea zeigen bereits Interesse. Die Madrilenen, bei denen Morientes noch bis 2006 unter Vertrag steht, erhoffen sich eine Ablösesumme in einer Größenordnung von 20 Millionen Euro. Eine Rückkehr nach Real gilt als ausgeschlossen. Dort stünde Morientes wieder im Schatten von Ronaldo und Raúl.
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