Winden im Elztal - An der Fitness wird es nicht liegen, wenn die DFB-Elf bei der EURO 2004 eine Bauchlandung hinlegen sollte. Denn die Vorzeichen sind günstig, dass der Vize-Weltmeister zumindest körperlich optimal vorbereitet in das Turnier in Portugal gehen kann.
Die Spieler hatten eine deutlich geringere Wettkampfbelastung als vor der WM 2002, sagte DFB-Arzt Tim Meyer in Winden im Elztal im dpa-Gespräch. Schon vor der abschließenden Auswertung des am ersten Tag des Trainingslagers abgehaltenen Sprint- und Ausdauertests konnte der Internist Rudi Völler Positives vermelden: Die Mannschaft bringt die Voraussetzung mit, dass man eine ordentliche Trainingsbelastung machen kann.
Das war vor zwei Jahren noch ganz anders gewesen. Damals fehlte während der WM-Vorbereitung teilweise mehr als der halbe Kader, weil die Nationalspieler aus Leverkusen, Dortmund und Schalke noch in Champions League, UEFA-Cup und DFB-Pokal Endspiele zu bestreiten hatten. Leistungsträger wie Michael Ballack stießen erst bei der Abreise nach Japan zur Mannschaft. Dieses Mal könnte Völler dagegen vom frühzeitigen Ausscheiden der Bundesliga-Clubs im Europapokal profitieren. Wir haben nicht so viele Spieler, die zig englische Wochen hinter sich haben, sagte Meyer, der die geringere Belastung auf rund zehn Saisoneinsätze taxierte.
Der Laktattest ist gerade für Aussagen über die Ausdauer der Akteure alternativlos. Meyer kann Völler anhand der Blutwerte wichtige Fingerzeige geben, auch wenn Korrekturen bis Turnierbeginn nur eingeschränkt möglich sind: Man kann in zwei Wochen aus einem Spieler, der ganz mies ist, nicht mehr jemanden machen, der in der Mannschaft führend ist, erläuterte der DFB-Arzt. Die Testwerte sind gleichwohl für eine individuelle Belastungssteuerung wichtig. Dabei müssen aber auch Verletzungen und kleinere Wehwehchen berücksichtigt werden, weshalb die medizinische Abteilung ganz eng zusammenarbeitet. Wir Ärzte und die Physiotherapeuten sitzen abends im Quartier zusammen und gehen die Spieler einzeln durch, berichtete Meyer.
Die Trainingslenkung ist für ihn aber nicht die wichtigste Aufgabe. Im Vordergrund steht die rein ärztliche Tätigkeit, wie die Behandlung und Verhütung von Infekten. Mit diesen ist nicht zu spaßen. Besonders wichtig ist die Flüssigkeitsaufnahme. Viel Trinken fördert die Belastbarkeit und vermeidet Infekte, so Meyer. Er achtet darum nicht nur bei jedem Training akribisch darauf, dass die Spieler reichlich Elektrolytgetränke zu sich nehmen.
Der Arzt ist auch dafür zuständig und verantwortlich, dass die DFB-Auswahl nicht mit den Doping-Bestimmungen in Konflikt gerät. Auf der so genannten roten Liste stehen rund 10 000 Medikamente, auch einige therapeutisch gebräuchliche Substanzen sind meldepflichtig. Meyer führt über jeden Nationalspieler eine Karteikarte, auf der Krankheiten und Besonderheiten vermerkt sind. Er muss aber auch auf Veränderungen achten: So wurde etwa Koffein zum 1. Januar 2004 von der Doping-Liste gestrichen, dafür sei die Anmeldepflicht und die Genehmigung für Cortison-Abkömmlinge verschärft worden, offenbar als Reaktion auf die hohe Zahl von Asthmatikern in einigen Sportarten. Im Fußball sieht Meyer keine große Gefahr durch Doping: Die Komplexität der Sportart schützt uns vor Missbrauch, aber nicht vor schwarzen Schafen.
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