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Krisenmanager Völler mit Sorgen - Freier vor EM-Aus | 2004-05-28


Freiburg/Winden im Elztal - Rudi Völler konnte sich nicht einmal 24 Stunden über das Schützenfest gegen Malta freuen - dann musste er die nächste Hiobsbotschaft verdauen. Nach Christian Rahn steht auch Paul Freier vor dem Aus für die Europameisterschaft in Portugal.

Einen Tag nach dem 7:0 bestätigte sich bei einer Kernspin-Tomographie der befürchtete Innenband-Einriss im linken Knie, den sich der Bochumer im Freiburger Dreisamstadion zugezogen hatte. Völler schob die Entscheidung über eine Streichung von Freier aus dem EM-Kader sowie die Nachnominierung eines Spielers trotz der niederschmetternden Diagnose weiter hinaus. Er wollte weitere Untersuchungen durch DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt abwarten, der im DFB-Quartier erwartet wird .

Wenn es nicht geht, werde ich spätestens am Samstag nachnominieren, sagte Völler. Wie gering die Chancen sind, dass Freier vielleicht noch im Turnier- Verlauf - das erste deutsche Spiel gegen die Niederlade ist am 15. Juni - einsatzfähig wird, zeigt das Beispiel Miroslav Klose. Der Lauterer Stürmer war ebenfalls nach der gleichen Verletzung mehr als einen Monat lang ausgefallen. Hoffen darf jetzt wieder der zunächst ausgemusterte Leverkusener Oliver Neuville, zumal auch U 21-Spieler Lukas Podolski verletzt ist.

Der bisherige Favorit auf den offenen 23. Platz im EM-Kader leidet an einer Leistenzerrung und verpasste das Auftaktspiel der Junioren-EM gegen die Schweiz. Podolski soll unter Umständen ebenfalls von Müller-Wohlfahrt untersucht werden. Wenigstens konnte der Teamchef in den Fällen Christian Wörns und Thomas Brdaric, die gegen Malta verletzt pausieren mussten, Entspannung vermelden. Beide sollen zu Pfingsten wieder ins Mannschaftstraining einsteigen und für den nächsten Test gegen die Schweiz zur Verfügung stehen.

Wir werden noch einige Dinge trainieren müssen, erklärte Rudi Völler ungeachtet des stimmungsvollen Kantersieges gegen die drittklassigen Malteser. Dies sei nur ein kleiner, erster Schritt auf dem Weg, die Pleite von Rumänien zu verarbeiten und die nötige Verfassung für die Europameisterschaft aufzubauen, hieß es aus dem DFB-Lager unisono. Das gleiche Resultat wie 2002 vor der WM gegen Kuwait sei nicht mehr als ein gutes Omen, meinte Torsten Frings. So eine Niederlage kann man nicht mit einem Spiel wieder gut machen - erst recht nicht gegen Malta, erklärte der Dortmunder Allrounder, der neben Ballack, Dietmar Hamann, Bernd Schneider und Arne Friedrich die stärksten Akzente setzte.

Zwar zeigte sich das EM-Mittelfeld mit einem wie verwandelt spielenden Antreiber Ballack bereits in ansprechender Verfassung. Doch wir brauchen drei Mannschaftsteile, die zusammen arbeiten. Wichtig ist, dass man hinten und vorn eine Formation findet, betonte Hamann. Vor allem Andreas Hinkel im Abwehrverbund und Miroslav Klose im Angriff offenbarten noch große Defizite, auch Kevin Kuranyi und Philipp Lahm sind noch nicht in Bestform.

Seinem Mittelfeldpartner Ballack, dem nach Gerd Müller 1972 wieder ein Vierer-Pack im Adler-Trikot gelang, bescheinigte Hamann dagegen bereits beste Partnerschaft: Es ist sehr angenehm, mit ihm zusammen zu spielen, weil er auch viel nach hinten mitarbeitet und nach vorn seine Freiheiten nutzt. Völler lobte Ballack, der sich über einen möglichen Wechsel zum FC Barcelona nicht äußern wollte, vor allem auch für seine Fitness. Er brennt und ist körperlich gut drauf. Die Werte des Ausdauertests würden dies bestätigten. Im Großen und Ganzen sei der Test auch bei allen anderen Spielern positiv verlaufen, berichtete der Teamchef, ohne weitere Namen zu nennen.

Wir können das alles gut einschätzen. Wir heben jetzt nicht ab und denken, es ist alles perfekt. Das Spiel hat genau den Zweck erfüllt, sagte Völler. Wir dürfen das jetzt nicht überschätzen, forderte Ballack nach dem lockeren Aufgalopp eine schnelle Rückkehr in den intensiven Trainings-Alltag. Ab Samstag geht es richtig rund, die EM hat begonnen, kündigte Völler eine harte Woche bis zum nächsten Test in Basel gegen EM-Teilnehmer Schweiz an. Am Tag nach dem Erfolg aber bekamen die Spieler erst einmal frei. Einige werden das nutzen, ins Cafe gehen oder ins Kino, verriet Völler. The Day after Tomorrow stand auf dem Spielplan - ein neuer Katastrophenfilm, so der Teamchef.


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