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Alle Nationalspieler gegen die Schweiz einsatzbereit | 2004-06-01


Winden im Elztal - Der wichtigste EM-Test steht an, doch 13 Tage vor dem Ernstfall Niederlande wird in der deutschen Nationalelf vorrangig über andere Themen diskutiert.

Vor allem die Pläne von Kapitän Oliver Kahn, Deutschland möglicherweise vor der neuen Saison zu verlassen, stellten alle Vorbereitungs-Maßnahmen auf das Länderspiel in Basel gegen die Schweiz in den Hintergrund. Das ist seine private Angelegenheit. Das hat keine Auswirkungen auf unsere Arbeit, ließ Rudi Völler zwar aus dem Mannschaftshotel Schwarzbauernhof übermitteln. Doch erfreut über den Nebenschauplatz dürfte der 44-Jährige kaum sein.

Die öffentlichen Erklärungen zu den Wechsel-Geschichten überließ der Teamchef trotz der Brisanz des Themas dann auch seinem Assistenten Michael Skibbe. Sie irritieren Rudi nicht, mich nicht und Oli auch nicht, behauptete der Bundestrainer. Torwart-Coach Sepp Maier, der Kahn seit Jahren auch beim FC Bayern intensiv betreut, bestätigte Kahns aktuelle Ambitionen: Er hat ein bisschen Hirngespinste momentan. Ich glaube, das ist ein Versuch, sagte der Weltmeister von 1974 im ARD-Hörfunk. Maier geht nicht davon aus, dass es tatsächlich zu einem Wechsel kommt: Die Bayern wären schön blöd, wenn sie ihn weggehen lassen.

Kahn selbst blieb nach der Ankündigung, bei einem entsprechenden Angebot nach der Europameisterschaft Bayern München sofort in Richtung Ausland verlassen zu wollen, bis zum Abschluss-Training für das Schweiz-Spiel auf Tauchstation. Zahlreiche Anfragen auf eine Stellungnahme blockten Kahn und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) rigoros ab. Skibbe verwies auf die Zuständigkeit der Clubs und speziell auf den FC Bayern: Wenn Spieler für sich andere Berufsperspektiven sehen, müssen sie es mit ihren Vereinen klären, sagte der Völler-Helfer. Es wäre schade für die Bundesliga, wenn Oliver gehen würde. Doch das sind Dinge, die muss er für sich selbst entscheiden, ließ Völler aus dem von Sicherheitskräften rund um die Uhr abgeschirmten DFB-Quartier verlauten.

Für die verantwortlichen Trainer sind die Debatten um Kahn, Michael Ballack, Torsten Frings und andere EM-Fahrer angeblich so lange tragbar, wie sie nicht das Unternehmen Portugal gefährden. Für uns ist wichtig, dass sie sich zu hundert Prozent auf die Arbeit konzentrieren und der Maxime unterordnen, eine erfolgreiche EM zu spielen, betonte Skibbe. Den Beleg dafür muss schon die Partie gegen die Schweiz erbringen, bei der Kahn nach seiner Pause gegen Malta und intensivem Torwart-Training die Mannschaft wieder als Kapitän auf das Feld führen wird.

Vor allem für die Abwehr soll das Spiel gegen die in Portugal ebenfalls vertretenen Eidgenossen zum echten Härtetest werden. Nachdem Christian Wörns wieder fit ist, kann Völler im St. Jakob-Park von Basel die für das Turnier vorgesehene Viererkette mit Arne Friedrich, Wörns, Jens Nowotny und Philipp Lahm testen.

Im Verbund mit Kahn dahinter sowie Dietmar Hamann als Defensiv-Stratege davor soll die Null stehen und damit die Hoffnung auf eine WM-Wiederholung gestärkt werden. Michael Ballack erinnerte an den Schlüssel für die Vize-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. Bis zum Endspiel hatten wir nur einen Treffer in sechs Spielen kassiert, sagte der Mittelfeldspieler, der wie bei seinen vier Toren gegen Malta wegen der Sturm-Probleme Hoffnungsträger in der Offensive bleibt.

Die Ankündigung, gegen die Schweiz noch nicht die Holland-Elf komplett zu präsentieren, lässt in erster Linie auf weitere Experimente bei der Wahl der beiden Spitzen schließen. Miroslav Klose benötigt unbedingt Spielpraxis. Und auch der Hannoveraner Thomas Brdaric ist nach einer Woche Aufbau-Training voll einsatzfähig, bestätigte Skibbe. Mal ist der vorn, mal der andere. Es wird einen gesunden Konkurrenzkampf geben, verdeutlichte der Berliner Fredi Bobic, dass bei der Besetzung des Angriffs bis zum EM-Ernstfall am 15. Juni gegen die Niederlande noch vieles möglich ist.

Für Völler und Skibbe ist die Schweiz, gegen die eine DFB-Elf vor knapp 48 Jahren letztmals verloren hat, ein willkommener Gegner, weil die taktische Ausrichtung der der holländischen Mannschaft ähnelt, meinte der Bundestrainer. Vor allem das Ergebnis muss stimmen, damit das zarte Pflänzchen EM-Hoffnung weiter wachsen kann.


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