Berlin - Frust, leise Resignation und Zukunftsangst: Bei Alemannia Aachen herrschte nach dem zweiten verlorenen Endspiel innerhalb einer Woche getrübte Stimmung.
Verteidiger Alexander Klitzpera fürchtet nach dem 2:3 im Berliner DFB-Pokalfinale gegen Meister Werder Bremen ein Ende der heilen Fußball-Welt am Tivoli: Es wäre schade, wenn jetzt alles auseinander brechen würde.
Das Modell Alemannia ist gefährdet. Kapitän Karlheinz Pflipsen ist Auslöser einer Auseinandersetzung zwischen Trainer Jörg Berger und Vereinspräsident Horst Heinrichs. Berger will Pflipsen nicht mehr, Heinrichs den früheren Nationalspieler aber nicht so einfach gehen lassen. Wie das abgelaufen ist, hat mir nicht gefallen, und deshalb habe ich mich eingemischt. So kommentierte Heinrichs die Tatsache, dass der Mittelfeldstar aus der Zeitung von seiner Kündigung erfahren musste.
Plötzlich standen in dem Kompetenz-Gerangel Berger und Sportdirektor Jörg Schmadtke auf der Kippe. Über Pflipsen werden wir uns noch unterhalten. Und nach meinen Kenntnissen bleibt Berger unser Trainer. Auch Schmadtke wird bei uns bleiben, versuchte Heinrichs die stark diskutierten Personalien abzuschwächen. Schmadtke wird mit dem TSV 1860 München in Verbindung gebracht. Berger blockte alle Fragen nach seiner Zukunft ab: Wir freuen uns darüber, was wir erreicht haben.
Erst nach und nach kam auch bei den Aachener Profis die Erkenntnis auf, dass sie trotz des 2:3 stolz sein sollten. Alles in allem kann die Mannschaft das auch wirklich sein. Wir haben eine Saison gespielt, mit der so keiner gerechnet hatte. Auch, wenn wir das Optimale nicht erreicht haben, sagte Pflipsen. Er ist von einem personellen Umbruch überzeugt: Es scheint so, als ob viele Leistungsträger den Verein verlassen werden. Doch erst einmal wird das Team auf Mallorca die Mannschaftskasse auf den Kopf hauen, wie Dauerläufer Willi Landgraf ankündigte.
Heinrichs weiß, dass Eile geboten ist. Preiswerte Spieler und - im Zweifelsfall - auch Trainer liegen nicht auf der Straße, obwohl die Alemannia allein durch das Pokalfinale 1,5 Millionen Euro eingenommen hat und als UEFA-Cup-Teilnehmer weiteres Geld in die einst völlig leere Club-Kasse kommt. Die personellen Dinge werden wir zügig regeln und nichts auf die lange Bank schieben, sagte Heinrichs. Und ließ seiner Freude trotz Niederlage und verpassten Aufstiegs dann doch noch freien Lauf: Für Alemannia Aachen war das grandios.
Grandios war auch die Gratulationscour am Sonntagabend in der Kaiserstadt: Mehr als 6000 Menschen bereiteten den Spielern des Pokalfinalisten in einem Meer aus schwarz-gelben Schals und Fahnen einen rauschenden Empfang.
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