Düsseldorf - Die Vorbereitungen der 16 Europameisterschafts-Teilnehmer in Portugal (12. Juni bis 4. Juli) laufen auf Hochtouren. Bis zum 6. Juni stehen insgesamt 16 Testspiele auf dem Programm, bevor die Anreise zum 12. Titelkampf seit 1960 beginnt.
Im Gastgeberland steigt unterdessen die Vorfreude auf das Fußball- Spektakel. Kaum eine Werbung im Fernsehen nimmt nicht Bezug auf die EM. Es mag vielleicht nicht so aussehen, aber für Portugal geht das Leben auch nach der EM weiter, schreibt die Zeitung Diario de Noticias.
Bereits vor dem offiziellen Meldeschluss mussten schon eine Reihe von Spielern ihre Hoffnung auf die EM wegen Verletzungen begraben. Dazu zählen neben dem Bochumer Paul Freier der Wahl- Stuttgarter Marco Streller (Schweiz), Ludovic Giuly (Frankreich), Mark van Bommel (Niederlande), Morten Wieghorst (Dänemark) und Michael Svensson (Schweden).
Bangen muss Russland um Spielmacher Dmitri Loskow, der sich einen Riss in der Rückenmuskulatur zugezogen hat, und die Schweiz um Torjäger Léonard Thurre. Er wird definitiv wegen einer Wadenverletzung gegen Deutschland und gegen Liechtenstein fehlen.
Mit wenigen Ausnahmen bereiteten sich die EM-Starter im eigenen Land auf die Auftritte in Portugal vor. So versuchte das englische Team mit David Beckham und Co. auf Sardinien die Grundlage für den angestrebten Erfolg zu schaffen. Mitfavorit Tschechien suchte Kraft und Abwechslung im österreichischen Seefeld.
Während das DFB-Team im Schwarzwald für den EM-Auftakt am 15. Juni gegen die Niederlande in Form zu gelangen hofft, setzen die Kicker aus dem Nachbarland auf das traditionelle Trainingscamp in Nordwijk/ Nordsee. Dort wurde auf dem Fußballplatz extra ein neuer Rasen für 100 000 Euro ausgelegt. Genützt hat es dem Europameister von 1988 zuletzt beim 0:1 gegen Belgien nichts. Oranje-Coach Dick Advocaat nahm es gelassen: Wir müssen daraus lernen.
Titelverteidiger Frankreich strotzt hingegen vor Selbstvertrauen, das durch das letzte 4:0 gegen Fußball-Zwerg Andorra untermauert wurde. Schließlich ist die Equipe Tricolore seit 17 Spielen ohne Niederlage und zudem 950 Minuten ohne Gegentor. Kein Wunder, dass Mittelfelstar Zinedine Zidane vor dem ersten EM-Spiel gegen England (13.6.) große Töne spuckt: Zur Zeit ist es ausgeschlossen, dass wir verlieren. Um kein Risiko einzugehen, hat Frankreichs Trainer Jacques Santini seinen Spielern bei der EM ein Sex-Verbot erteilt und deren Familien vor dem letzten Schliff in Clairefontaine, das etwa 50 km südwestlich von Paris liegt, für drei Tage noch einen gemeinsamem Ferienaufenthalt gewährt.
Auf Teamgeist setzt Italien. Wir wollen eine glückliche Gruppe schaffen, sagte Nationalcoach Giovanni Trapattoni. Ich bin sehr optimistisch, weil ich in dieser Mannschaft etwas Neues gesehen habe. Es ist wie eine Verwandlung. Das 4:0 gegen Afrika-Meister Tunesien bestätigte seinen Eindruck. Großes erwartet er vor allem von seinem Sturm. Del Piero, Totti und Vieri können miteinander eine Menge erreichen, so der ehemalige Bayern-Coach. Bei Italiens erstem Vorrundengegner Dänemark läuft es dagegen nicht so rund. Uns fehlte Qualität und Genauigkeit, analysierte der dänische Trainer Morten Olsen nach dem 2:2 in Estland. Eine solche Leistung können wir uns bei der EURO 2004 nicht leisten.
Zufrieden konnte dagegen Gastgeber Portugal nach dem geglückten Test gegen Luxemburg (3:0) - immerhin ohne die sechs Nationalspieler vom Champions-League-Sieger FC Porto - sein. Diese sind im letzten EM-Trainingslager in Alcochete aber seit wenigen Tagen mit dabei. Auf psychologischen Auftrieb hoffen die Spanier durch die Vertragsverlängerung von Nationaltrainer Inaki Sáez. Der 61-jährige Baske soll das Team zur WM-Endrunde 2006 nach Deutschland führen.
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