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Kahn kündigt Transfergerangel an | 2004-06-02


Winden im Elztal - Das belastende Transfergerangel um Oliver Kahn und Co. wird Teamchef Rudi Völler bis nach Portugal verfolgen. Sein Kapitän machte die Hoffnung des Teamchefs zunichte, dass die Leistungsträger frei von beruflichen Wechselgedanken bei der EM spielen können.

Stattdessen kündigte der 34-jährige Torhüter des FC Bayern München, der mit seiner plötzlichen Sehnsucht nach Veränderungen im Herbst der Karriere zum Gesprächsthema Nummer eins geworden ist, eine wochenlange Hängepartie an. Die Entscheidung über meine Zukunft fällt nach der EM, zitierte ihn die Bild-Zeitung.

Bei den Bayern wächst die Verärgerung über Kahn. Wenn ich weiß, ich habe einen Vertrag bis 2006, ist klar, dass ich diesen Vertrag erfüllen will. Wenn ich etwas anderes vorhabe, benütze ich nicht die Medien, sondern gehe direkt zum Vorstand, monierte Vereinspräsident Franz Beckenbauer am Rande des Länderspiels zwischen der Schweiz und Deutschland in Basel. Kahns Abschiedspläne bewertete Beckenbauer als Ausdruck der Unzufriedenheit über die enttäuschende Saison ohne Titelgewinn. Ein klares Bekenntnis, Kahn unbedingt behalten zu wollen, gab Beckenbauer nicht. Das ist Sache des Vorstandes, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende.

Nach einem Jahr mit sportlichen Rückschlägen und privaten Turbulenzen sucht Kahn offensichtlich den Neuanfang. Auch wenn er das nicht zugibt, ist es für ihn auch eine private Entscheidung, meint Sepp Maier, täglicher Trainingspartner und Vertrauensperson von Kahn: Wenn er bei uns bleibt, lässt ihn das Theater um seine Person nie los. Olli will endlich seine Ruhe.

Kahns Fluchtpläne verglich der Bundestorwarttrainer in mehreren Zeitungs-Interviews mit der Reaktion des jungen Franz Beckenbauer, der die Schlagzeilen um sein Privatleben in den 70er Jahren mit einem Trip zu Cosmos New York abschütteln wollte. Doch anders als der Kaiser beim Ausflug in die nordamerikanische Operettenliga will Kahn den privaten Neubeginn mit einer letzten sportlichen Herausforderung bei einem Top-Verein verknüpfen, am liebsten in der englischen Premier League. Kontakte gab es in der Vergangenheit zu Manchester United. Es ist ihm ernst, todernst sogar. Er will den Wechsel, sagte Maier.

Die Verpflichtung von Felix Magath als Hitzfeld-Nachfolger sei für seine Entscheidung unbedeutend gewesen, betont Kahn: Es geht nicht um den neuen Trainer. Es geht um mich. Wenn du über ein Jahrzehnt irgendwo spielst und mit der Leistung nicht zufrieden bist, musst du dich überprüfen. Kahn hat sich von seiner Freundin getrennt und die Verbindung zu seiner Familie wieder intensiviert. Er ist offensichtlich zu dem Schluss gekommen, dass er in einer anderen Stadt, in einem anderen Land und in einer anderen Medienlandschaft die Vergangenheit am besten hinter sich lassen kann.

Weil der FC Bayern seine in den vergangenen Jahren zur Symbolfigur aufgestiegene Nummer eins nicht so einfach und ersatzlos ziehen lassen wird, droht Kahn zunächst bei der EM ein Kampf an zwei Fronten. In Portugal muss er beweisen, dass er seinen Zenit noch nicht überschritten hat. Zugleich steht mit der Bayern-Führung eine komplizierte Klärung an, unter welchen Bedingungen der bis 2006 datierte Vertrag aufgelöst werden könnte.

Sepp Maier prophezeit: Der FC Bayern lässt ihn nie weg. Die Karten könnten allerdings neu gemischt werden, wenn Magath seinen Ex-Schützling Timo Hildebrand vom VfB Stuttgart nach München locken sollte. So ist sogar der dritte EM-Torhüter völlig unvermittelt auf das Transfer-Karussell geraten. Dort sind auch Michael Ballack, für den der FC Barcelona angeblich eine Offerte über 10 Millionen Euro vorgelegt hat, sowie der vereinslose Christian Ziege und Torsten Frings, der unbedingt weg von Borussia Dortmund und hin zum FC Bayern will.


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