Hamburg - Die deutsche Prominenz aus Kultur, Politik und Sport träumt vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft vom Siegeszug der deutschen Elf - kalkuliert aber auch ein frühes Aus ein.
Ich hoffe, dass die starke Turnier-Mannschaft Deutschland, wie wir bei der WM in Yokohama gesehen haben, ins Endspiel kommt. Meine Favoriten sind Frankreich und Tschechien, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder vor dem EM-Anpfiff und trotz des 0:2 gegen Ungarn. Sein für den Sport zuständiger Innenminister Otto Schily lässt dagegen keine Zweifel am Ziel aufkommen: Deutschland wird Europameister. Mit diesem Anspruch müssen wir schon in das Turnier gehen.
Diesen Optimismus will Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), nicht teilen. Deutschland kommt nicht über die Vorrunde hinaus, orakelte er vor den ersten drei Partien gegen die Niederlande, Lettland und Tschechien. Ähnlich sieht es Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, für den der deutsche Fußball nicht wirklich eine Konkurrenz für die anderen 15 Teams ist. Nicht reif für den Titel hält auch Kabarettist Dieter Hildebrand die DFB-Equipe: Ich hoffe, dass die deutsche Mannschaft nichts damit zu tun hat, sich aber anständig verhält.
Zwischen Hoffnung und Realitätssinn schwankt Thomas Bach, der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC): Ich traue ihr alles zu, sie könnte sich durchbeißen. Doch bei einer EM ist es schwerer als bei einer WM, da trifft man schon im Viertelfinale oder früher auf schwere Gegner. Für den Präsidenten der Deutschen Fußball Liga (DFL), Werner Hackmann, ist die erste Vorrundenbegegnung gegen die Niederlande das Schlüsselspiel. Es kommt darauf an, wie das DFB-Team gegen die Niederlande besteht. Dabei ist nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Art und Weise ausschlaggebend, meint er.
Auch für Kaiser Franz Beckenbauer sind die ersten drei EM- Partien der Knackpunkt: Wenn Deutschland die Vorrunde übersteht, ist alles möglich. Das Erfolgsrezept dazu liefert Uwe Seeler, wie Beckenbauer Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft: Wenn die Spieler sich richtig zusammenrotten, werden sie von Spiel zu Spiel besser werden. Auch für den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ist dies das richtige Rezept zum Erfolg: Rudi Völler hat schon bei der WM 2002 bewiesen, wie weit man mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und Kampfgeist kommen kann. Seine Kollegin Heide Simonis aus Schleswig-Holstein glaubt allerdings, dass im Halbfinale Endstation ist. Denn für sie ist Portugal mein heißer Favorit.
Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher drückt nicht nur auf die Tube, sondern auch den Jungs in Portugal die Daumen. Auch sein Tipp lautet: Unsere Elf erreicht das Halbfinale. Schlagersänger Jürgen Drews hat extra für die EM einen neuen Song (Rudi, Rudi, Fußballgott - hol den Pott) und outet sich als hemmungsloser Optimist, der in Deutschland den neuen Europameister sieht. Wir müssen daran glauben, und der Glaube versetzt Berge. In Erstaunen versetzt hingegen der Komiker Helge Schneider die Fachwelt. Ich tippe auf Polen, sagte er - ungeachtet der Tatsache, dass das Land in Portugal gar nicht vertreten ist.
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